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Taufbecken des Kölner Baptisteriums

Foto: © Dombauarchiv Köln, S. Ristow
Foto: © Dombauarchiv Köln, Matz und Schenk

6. Jahrhundert: Das große achtseitige Taufbecken mit erhaltenem Abfluß (rechts) wurde 1866 östlich des Domes gefunden und durch ein Ziegelgewölbe des damaligen Dombaumeisters Richard Voigtel bis heute geschützt. Das christlich genutzte Becken mit für das 6. Jahrhundert charakteristischen Formen (etwa den betonten Standplätzen an den äußeren Eckpunkten für die Stützen eines Ziboriums) entstand über den Mauern eines römischen Wohnhauses, in dem auch schon eine achteckige Piscina vorhanden war. Dazu gehört der Estrich am unteren Bildrand. Da die übrigen Mauern - sowohl des Wohnhauses als auch des Baptisteriums - bereits lange vor Beginn der archäologischen Grabungen erfaßt und leider auch weitgehend zerstört wurden, ist die Rekonstruktion der Bauphasen in vielen Punkten unsicher.

Dr. Sebastian Ristow, Archäologe

Im Fundamentbereich der Taufpiscina ist unten rechts der Abfluß zu erkennen. Die außen rechteckige und innen mit einem Bleirohr versehene Öffnung war an einen Kanal angebunden, der nicht mehr erhalten ist. Die Versorgung mit Taufwasser erfolgte wohl von einem über dem Beckenrand gelegenen Zufluß, der im Bereich hinten links gelegen haben könnte.

Dr. Sebastian Ristow, Archäologe

Die im Inneren etwa 2 Meter weite Piscina ist mit wasserdichtem Mörtel ausgekleidet. Rechts und links befinden sich Einstiegsstufen für die Täuflinge. Die originale Oberkante dürfte nur wenig höher gewesen sein. Der innere Wasserstand lag bei etwa 0,5 Meter, was sich aus der Höhe der verputzten Wandungen ergibt. Man stand in der Piscina und wurde durch Übergießen getauft. Um das Gewicht des Wassers und auch das eines über dem Becken zu rekonstruierenden Ziboriums abstützen zu können, benötigte man ein starkes Fundament, welches hier über den älteren römischen Phasen erkennbar ist. Über der Oberkante des Abflusses befand sich der Boden des Baptisteriums, die oberhalb sichtbaren Teile waren verkleidet. (Sebastian Ristow)

Dr. Sebastian Ristow, Archäologe

Die Taufkirche von Poitiers in Frankreich vermittelt eine gute Vorstellung vom Erscheinungsbild solcher Bauten. Sie zeigt eine ähnliche Entwicklung wie die in Köln ergrabenen Reste. Die erste Phase eines Rechteckbaus kann nicht eindeutig datiert werden und gehört wohl in die Zeit um 400. Sie entstand in Nachfolge römischer Bebauung, insbesondere südwestlich gelegener Thermen, bei denen auch die Ursprünge der zugehörigen - nicht erhaltenen - Kirche zu suchen sind. Später wurden Anbauten hinzugefügt, so daß der Bau eine unregelmäßige Kreuzform erhielt. Mit einigen Veränderungen aus Mittelalter und Neuzeit ist dies der heutige Zustand. Im Inneren des Baus blieb die achteckige Piscina erhalten, die um einiges kleiner als die Kölner ist. (SR)

Dr. Sebastian Ristow, Archäologe