Weltkulturerbe
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Der Kölner Dom als Welterbestätte
Welche Gemeinsamkeit hat der Kölner Dom mit der Akropolis von Athen, dem Großen Barrier Riff vor der Küste Australiens oder den Ruinen von Ankor?
Es handelt sich bei den genannten Stätten um kulturelle Zeugnisse und Kulturlandschaften von unschätzbarem Wert für die gesamte Menschheit, deren Schutz sich die Völkergemeinschaft verschrieben hat. Zur Verwirklichung dieser Aufgabe hat die UNESCO 1972 das "Übereinkommen zum Schutz des Kultur- und Naturerbes der Welt" www.unesco.de verabschiedet. Somit wurden die wichtigsten Regularien zum Schutz des kulturellen und natürlichen Erbes auf internationaler Ebene geschaffen: Die Unterzeichnung des Abkommens nimmt die Vertragsstaaten in die Pflicht, die Welterbestätten innerhalb ihrer Staatsgrenzen zu schützen und deren Bestand für folgende Generationen zu sichern.
Auf Antrag der Stadt Köln wurde der Kölner Dom 1996 von der UNESCO aufgrund seiner spirituellen und kulturgeschichtlichen Bedeutung als eines der europäischen Meisterwerke gotischer Architektur eingestuft und zum Weltkulturerbe erklärt.
Noch immer ist der dem hl. Petrus geweihte Dom die Kathedrale des Kölner Erzbischofs sowie die Hauptkirche der Erzdiözese Köln und damit ein wichtiges spirituelles Zentrum.
Dieses Zentrum ist lebendig: Jeden Tag werden fünf Messen gefeiert und zu den Gottesdiensten an Sonn- und Feiertagen versammeln sich hier viele Tausend Menschen. Der Dom ist ein Gebäude, das zur Ehre Gottes gebaut wurde, und er ist ein Abbild des Himmels, jenes Himmlischen Jerusalems, das die Bibel als herrlichsten aller Orte beschreibt.
Für Christen in Deutschland und aus der ganzen Welt hat der Dom als Stätte des Gebetes
mit seiner jahrhundertealten Tradition eine gewaltige geistliche Strahlkraft und herausragende Bedeutung: er ist ein heiliger Ort.
Die in einem goldenen Schrein aufbewahrten Gebeine der Heiligen Drei Könige sind seit dem 12. Jahrhundert das Ziel vieler Tausend Christen aus aller Welt. Auch für Angehörige anderer Religionen bildet der Dom ein religiös-spirituelles Ziel: Unter den Pilgern, die am 15. August, dem Fest Mariä Himmelfahrt, jedes Jahr in den Dom kommen, um am Altar der Schmuckmadonna Geschenke niederzulegen, sind auch viele Muslime.
Da es in der Geschichte des Domes keinen Bildersturm gab, haben sich in seinem Inneren viele Werke erhalten, die spirituell und kunsthistorisch von hoher Bedeutung sind.
Vor allem ist hier der in den Jahrzehnten um 1200 entstandene Dreikönigenschrein zu nennen, der nicht nur der größte der erhaltenen romanischen Reliquienschreine, sondern auch eines der bedeutendsten Werke mittelalterlicher Goldschmiedekunst in Europa ist.
Das um 980 entstandene Gerokruzifix, offenbar die erste monumentale Darstellung des gekreuzigten Christus im gesamten Abendland, der um 1300 entstandene
Hochaltar mit seinen französisch beeinflussten Skulpturen, die um 1280 gefertigten Statuen der Apostel an den Chorpfeilern (Chorpfeilerfiguren), das reich geschnitzte Chorgestühl von 1308/11, der mittelalterliche Wandmalereizyklus an den Chorschranken, die vielen bedeutenden Altäre und Grabmäler und nicht zuletzt der erhaltene
Fassadenplan von 1280 zeigen, dass auch die Ausstattung des Kölner Domes Weltgeltung hat.
Der reiche Kirchenschatz des Domes ist in den teilweise mittelalterlichen Räumen der Domschatzkammer
zugänglich. Die hier ausgestellten liturgischen Geräte, Insignien und Paramente werden eindrucksvoll präsentiert und ihre inhaltliche Bedeutung wird den Besuchern auf vielfältige Weise vermittelt.
Architektonische Planungen der Stadt Köln gefährdeten jedoch den Titel des Domes als Weltkulturerbe. Im Jahr 2000 legte die Stadt für das Gebiet um den Deutzer Bahnhof einen Entwurf vor, der vier weitere massive Hochhäuser vorsah.
Diese Hochhausgruppe sollte genau in der Verlängerung der West-Ost Achse des Domes liegen und wurde daher als eine erheblich optische Beeinträchtigung empfunden. Am 5. Juli 2004 wurde der Dom wegen der „Gefährdung der visuellen Integrität des Doms und der einzigartigen Kölner Stadtsilhouette durch die Hochhausplanungen auf der dem Dom gegenüberliegenden Rheinseite“ vom UNESCO-Welterbekomitee auf die sogenannte Rote Liste des gefährdeten Welterbes www.unesco.de/3931.html gesetzt. Nach Verhandlungen wurde den deutschen Behörden die Möglichkeit gegeben, bis Ende 2005 Informationen über geplante Baumaßnahmen in Köln-Deutz einzureichen.
Die Stadt Köln zog nach reiflicher Überlegung die heftig diskutierten Entwürfe für den Hochhausbau zurück und legte eine andere Planung vor, die eine deutlich niedrigere, aber zugleich dichtere Bebauung vorsah. Im Juli 2006 entschied das Welterbekomitee, die Gefährdung zurückzunehmen. Außer dem bereits fertig gestellten KölnTriangel sollen dort in Zukunft keine weiteren Hochhäuser mehr entstehen. Somit konnte der Titel des Weltkulturerbes für den Kölner Dom erhalten bleiben.
Prof. Dr. Barbara Schock-Werner, Dombaumeisterin zu Köln













