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News

22.02.2006

Josef Frings wurde vor 60 Jahren zum Kardinal ernannt

Josef Kardinal Frings

„Ich kann auch leben, ohne Kardinal zu sein“

 

Vor 60 Jahren, kurz nach dem Zweiten Weltkrieg, wurde der Kölner Erzbischof Josef Frings in den Kardinalsrang erhoben. In einem Gespräch gibt der Kirchenhistoriker und Frings-Biograf Domkapitular Professor Dr. Norbert Trippen Auskunft über die Zeitumstände und Hintergründe.

 

PEK: Herr Professor Trippen, vor 60 Jahren, in den Tagen vom 18. bis 20. Februar 1946, ist Josef Frings, Erzbischof von Köln, zum Kardinal ernannt worden. Wenn Sie diese Ernennung aus dem Blickwinkel Pius XII. betrachten: Wie ist die Ausgangssituation zu bewerten? Aus welchem Grund hat Papst Pius XII. den Kölner Erzbischof zum Kardinal ernannt?

 

Trippen: Das ist im Grunde genommen – von einem Schulmann gesprochen, der ich ja einmal war – eine „Regelbeförderung“ gewesen. Kardinal Frings war der sechste Kölner Erzbischof, der Kardinal wurde. Wenn man Kardinal Melchers hinzunimmt, der erst nach seiner von Preußen durchgesetzten Entfernung aus dem Amt zum Kardinal erhoben wurde, sind es sogar sieben gewesen. Also: Der Kölner Erzbischof war an der Reihe, wenn ein größeres Konsistorium stattfand. Die Überraschung und die Position Pius XII. kommt eigentlich mehr bei den beiden anderen Kandidaten dadurch zum Ausdruck, dass der Papst ostentativ den in der ganzen Welt bekannten, inzwischen so genannten „Löwen von Münster“ Clemens August Graf von Galen in das Kardinalskollegium berief und - für Deutschland selbst völlig unverständlich - den unbekannten Bischof von Berlin, Konrad Graf von Preysing.

 

Von diesem wusste Pius XII., dass er innerhalb der Bischofs-konferenz sehr eindeutig gegen den Nationalsozialismus und für eine klarere Linie des deutschen Episkopats eingetreten war, und sich mit dem Konferenzvorsitzenden Kardinal Bertram von Breslau geradezu verkracht hatte. Preysing hatte die ganzen Kriegsjahre über mit Hilfe des geheimen Postsacks der Nuntiatur, von den Nazis unkontrolliert, mit Pius XII. korrespondiert. Preysing hatte ihm auch als Nuntius in Berlin schon zugearbeitet. Aber diese Hintergründe musste man wissen. Für die Weltöffentlichkeit war es nahezu ein Skandal, dass von diesen verachteten Deutschen, die unter Kollektivschuld-Verdacht standen, gleich drei von 36 - das war ein ziemlicher Prozentsatz - ostentativ durch diesen Papst ins Kardinalskollegium berufen wurden.

 

PEK: Der Umstand, wie Frings sich während des so genannten 1000-jährigen Reiches verhalten und positi-oniert hatte, scheint also eher keine Rolle gespielt zu haben?

 

Trippen: Kardinal Frings hatte in diesen apokalyptischen Endzuständen der letzten Kriegsjahre

– Köln war zerstört - die meiste Zeit in Bad Honnef residiert und keine Gelegenheit gehabt, sich zu profilieren. Ob Pius XII. bekannt war, dass Frings zum Beispiel beim letzten Papst-Krönungsgedächtnis in Groß St. Martin 1944 öffentlich gegen die Tötung Unschuldiger aus anderen Rassen und Völkern Stellung genommen hatte, ist eher zweifelhaft. Ich würde ganz schlicht sagen: Unter den Dreien waren von Galen und von Preysing Son-derberufungen, und Kardinal Frings war Erzbischof von Köln. Wenn der sein Amt tadelsfrei drei Jahre ausge-übt hatte, war er an der Reihe.

 

PEK: Die Reise nach Rom muss ja in dieser Zeit enorme Schwierigkeiten bereitet haben. Frings war durch den passiven Widerstand der Briten derart frustriert, dass er sich zu der Aussage hinreißen ließ: „Ich kann auch leben, ohne Kardinal zu sein!“

 

Trippen: Es gab keine Möglichkeit, ein halbes Jahr nach Kriegsende aus dem besetzten Deutschland auszu-reisen. Man konnte das nur über die jeweils zuständige alliierte Besatzungsmacht erreichen, und es scheint nicht zu Unrecht von Frings vermutet worden zu sein, dass die englische Labour-Regierung in London dieses Herausheben der Deutschen in Rom nicht wollte und die Parole ausgegeben hatte, die Sache nicht zu för-dern. Es ist dann so gewesen, dass sowohl Frings als auch Galen bei den Briten vorgesprochen haben; Galen aristokratisch selbstbewusst: „Ich hätte gerne ein Flugzeug und für 20.000 Mark Reisedevisen“. Nichts hat er bekommen.

 

Eine zweimotorige Maschine in Handorf bei Münster hat er abgelehnt. Die würde gerade reichen, um seinen Sarg zu befördern. Das Äußerste, was die Briten taten, war ein abenteuerlicher Transport der bei-den Herren mit einem Auto nach Frankfurt in der Erwartung, dass auf dieser Airbase - von der in letzter Zeit wieder die Rede war - vielleicht die Amerikaner dafür sorgen würden; aber die taten es auch nicht. Schließ-lich hat ein einziger englischer Offizier, Oberst Sedgwick - den Frings übrigens auch immer sehr rühmend erwähnt hat - wenigstens erreicht, dass in einem französischen Urlauberzug von Karlsruhe nach Paris Galen und Frings mitgenommen wurden. Preysing ist auf anderen Wegen nach Rom geflogen.

 

PEK: Die Feierlichkeiten in Rom zur Kardinalserhebung fanden noch im alten Stil statt, also wie es heute nicht mehr üblich ist. Auch die Kleidung der Kardinäle damals war etwas anderes als heute.

 

Trippen: Die Festlichkeit, deren Verlauf in drei Schritten genau feststand, sah so aus: Die zu Ernennenden, die natürlich von ihrer Ernennung wussten, hielten sich an einem bestimmten, im Vatikan gemeldeten Ort auf. Das war für Kardinal Frings das Generalat der Salvatorianer an der Via della Conziliazione. Es war schon eine Auszeichnung durch Pius XII., dass er einen seiner Neffen, den Fürsten Giulio Pacelli, mit der Übermitt-lung der Ernennungsbotschaft beauftragte. Die Kandidaten bekamen dann also mitgeteilt, sie seien zum Kar-dinalat berufen. Dann fand im Abstand von ein, zwei oder drei Tagen das so genannte „Geheime Konsistori-um“ statt, zu dem die schon früher zum Kardinal Ernannten zusammenkamen. Der Papst fragte sie, ob es wohl genehm sei, die folgenden Herren zu Kardinälen zu ernennen, und die Versammelten hatten dann mit dem Kopf zu nicken.

 

Das war so vorgeschrieben. das Kardinalskollegium war durch die Kriegsjahre auf 36 Mitglieder zusammengeschrumpft. Es bedurfte also dringend einer Ergänzung. Als dritter Akt fand dann das „Öffentliche Konsistorium“ in St. Peter statt. Um auf die Kleiderfrage einzugehen: Die Kardinäle waren beim „Öffentlichen Konsistorium“ mit einer „Cappa magna“ bekleidet. Das war eine mehrere Meter lange rote Sei-denschleppe, oben am Halse gerafft und um die Schulter gelegt. Da musste jemand mitgehen, der die Schleppe von hinten trug. Dann traten sie einzeln zum Papst hin und bekamen das purpurfarbene Birett auf-gesetzt. Nach dieser Zeremonie hat Frings etwas schmunzelnd und wehmütig, aber ohne Neid festgestellt: „Bei Galen haben alle geklatscht, bei mir eigentlich fast keiner, weil ich nicht bekannt war“.

 

PEK: Wie war es denn möglich, dass sich der Kardinal diese Ausstattung innerhalb der kurzen Zeit und den gegebenen Verhältnissen hat beschaffen können?

 

Trippen: Zunächst einmal hatten sie überhaupt kein Geld. Frings und Galen sind z. B. im Zug von Paris nach Mailand von Mitreisenden mit Keksen ernährt worden, weil sie nichts in der Tasche hatten, womit sie hätten bezahlen können. Die Deutsche Reichsmark war nichts wert. Und es dauerte einige Zeit, bis der Kardi-nal von Paris das Dilemma bemerkte, sich vielmals entschuldigte und die beiden in den Speisewagen einlud. In Rom fand Kardinal Frings auf seinem Zimmer im Campo Santo Teutonico ein Kuvert vom Staatssekretariat vor, unterschrieben von einem gewissen Msgr. Giovanni Battista Montini: „Anbei 5.000 Dollar für die Kosten der Kardinalserhebung“.

 

Am nächsten Morgen ging es schon los. Da musste er die Dinge schon haben. Ich habe von Fotos aus den ersten Bischofsjahren den Verdacht, dass er sich schon bei seiner Bischofserhebung 1942 die kardinalsroten Gewänder seines Vorgängers Kardinal Schulte hat zurecht schneidern lassen, damit er überhaupt etwas hatte. Das war insofern ganz korrekt, als der Kölner Erzbischof als „Legatus Natus A-postolicae Sedis“, als geborener Legat des Apostolischen Stuhles, auch dann Kardinalsrot tragen darf, wenn er noch nicht Kardinal ist. Ich habe also den Verdacht, dass er diese Dinge von seinem Vorgänger Schulte ge-nommen hat; ich glaube, beim Kardinalshut steht das sogar fest.

 

PEK: Die Frage der Kollektivschuld der Deutschen hat im Zusammenhang mit der Ernennung Deutscher zu Kardinälen ja sicherlich auch eine Rolle gespielt. Und Pius XII. hatte dazu auch eine Meinung. Mit Sicherheit hatte Kardinal Frings eine Meinung dazu, die abwich von der Auffassung der Alliierten.

 

Trippen: Schon in den ersten Wochen nach dem Krieg ist Kardinal Frings in seinem ersten Hirtenbrief im Sommer 1945 auf die Schuldfrage eingegangen und hat gesagt: Es hat sich bitte jeder zu erforschen, wo er schuldig geworden ist, aber Schuld ist immer das persönliche Versagen eines einzelnen Menschen. Man kann nicht ein ganzes Volk insgesamt - und den Einzelnen nicht allein, weil er diesem Volke zugehört - der Teilha-be an einer „Kollektivschuld“ bezichtigen.

 

Die gleiche Position hatte auch schon Pius XII. an seinem Na-menstag, das ist der 2. Juli 1945, eingenommen. Kardinal Frings hat bei diesem allerersten Empfang, bei dem ihm die Ernennung zum Kardinal mitgeteilt wurde, rühmend hervorgehoben, dass der Papst drei Deutsche zu Kardinälen erhoben habe, dass dies eine besondere Auszeichnung sei, und dass der Papst damit auch durch ein sichtbares Zeichen zu erkennen gebe, dass er die Deutschen nicht unter dem Verdacht der Kollektivschuld stellt.

 

PEK: In dieser frühen Zeit schon hat Frings in Rom Kontakte zu anderen Bereichen der Weltkirche aufge-baut. Das ist für jemanden, der das aus heutiger Perspektive betrachtet ein „Trümmerbischof“ war, sehr be-merkenswert. Welche Gründe hatte Frings, sich zu diesem Zeitpunkt bereits weltkirchlich zu engagieren?

 

Trippen: Das hatte einen sehr einfachen Grund. Der Kardinal hat in diesen Wochen in Rom den Mitkardi-nälen aus den USA und Kanada, aus der wohlhabenderen Welt also, angeboten, ihnen sogar gerettete Kunst-schätze zu überlassen, wenn sie der Not leidenden deutschen Bevölkerung zu Hilfe kämen. Frings stammte aus der Neusser Kaufmannschaft und hatte einen „siebten Sinn“ dafür, jedwede Möglichkeit zu nutzen, um für die Hunger leidende und frierende Bevölkerung etwas zu tun. Er hat durch Vermittlung von Kardinal Spellman von New York ein Telegramm an die US-Katholiken aufgesetzt. Besondere „Freundschaft“ schloss er mit Kardinal Stritch, dem Erzbischof von Chikago und Präsidenten der amerikanischen Caritas. In dem Tele-gramm im Umfang von einer A-4-Seite hat er die Katholiken Amerikas gebeten, den hungernden und frie-renden Menschen in Deutschland zur Hilfe kommen.

 

Was seine amerikanischen Gesprächspartner noch nicht absehen konnten, war die Tatsache, dass Frings sehr bald diese Kontakte in die Weltkirche nutzen würde, wenn die alliierten Besatzungsoffiziere in Deutschland ihn abwimmelten; in der Erwartung: Hier aus Deutschland geht ja nichts hinaus. Aber über die Post des Kardinals zu seinen Mitbrüdern Griffin in London, Stritch in Chikago und Spellman in New York kamen die Vorwürfe des Kölner Kardinals gegen die Praktiken der Besatzungsoffiziere in die ausländische Presse, so dass diese Besatzungsoffiziere von ihren Regierungen gefragt wurden: Was macht ihr denn da, was stellt ihr an, was habt ihr verkehrt gemacht? Das hatte zur Fol-ge, dass, wenn Frings beim nächsten Mal kam, sie ihn zwar verärgert empfingen, aber stärker respektierten.

 

PEK: Kann es sein, dass Kardinal Frings damals auch schon ein Gefühl dafür bekam, wie wichtig es ist, mit den anderen Ortskirchen in dieser Welt Kontakt zu haben und Beziehungen aufzubauen? Denn irgendwann drehte sich das ja und Köln wurde hilfreich für Tokio; es entstanden die Hilfswerke Misereor und Adveniat. Hat das seine Gründe in der römischen Begegnung von 1946?

 

Trippen: Ich würde eher sagen: Der Grund liegt im Eindruck der ersten Monate nach dem Krieg, dass wir in Deutschland völlig isoliert und von der ganzen Welt verachtet waren. Die Kirche war die erste und lange Zeit die einzige Ebene, auf der Deutschland wieder Kontakt zur Welt fand. Man denke an das Domfest 1948, als zum ersten Mal ausländische Gäste aus aller Welt hier nach Köln kamen, als man sagen konnte: Die ka-tholische Kirche ist keine nationale Angelegenheit, sondern ist eine Weltkirche, in der auch ein verachtetes Land wie Deutschland eingebunden ist. Die 1946 in Rom geknüpften Kontakte in die Weltkirche hat Frings in dieser Zeit als sehr hilfreich empfunden.

 

Als 1954 die Partnerschaft Köln-Tokio konzipiert und 1958 die Gründung von Misereor geplant wurde, lautete das entscheidende Argument: Wir haben selbst in äußerster Not die Hilfe aus aller Welt empfangen; jetzt sind wir an der Reihe. 1946 war noch nicht absehbar, dass wir einmal so Großartiges würden tun können. Ich habe über die 5.000 Dollar für die Unkosten der Kardinalser-hebung 1946 geschrieben: Diese Investition der Weltkirche in einen Not leidenden Kölner Erzbischof sollte sich bald tausendfach lohnen. Man wird zwar sagen müssen: Das war 1946 noch nicht absehbar. Aber dass die weltkirchliche Einbindung der deutschen Katholiken in der Not der Nachkriegsjahre die Brücke aus der totalen Isolation war, aus diesem Aussätzigenstatus der Deutschen herauszufinden und im weltweiten Forum der katholischen Kirche wieder Kontakt zu knüpfen, war für den Kardinal ganz wichtig. Etwas Vergleichbares auf ganz anderer Ebene hat es bei der evangelischen Kirche gegeben. Das war die Oikumene - damals noch nicht die Verbindung zwischen katholischen und evangelischen Christen, sondern der weltweite Kontakt der evangelischen Kirchen untereinander. Auf dieser internationalen Ebene reformatorischer Kirchen fand die EKD Anerkennung und internationale Einbindung.

 

PEK: Wie ist Kardinal Frings, als er nach Köln heimkehrte, aufgenommen worden? Was hat es für die Deutschen hier bedeutet, dass ihr Erzbischof nun Kardinal war?

 

Trippen: Es war immer üblich, dass ein solcher Akt Beachtung fand und festlich begangen wurde. Die Fest-lichkeit in Trümmerbergen war natürlich eine problematische Geschichte. Zunächst fand ein kleiner inner-kirchlicher Empfang im Krankenhaus Köln-Hohenlind statt, wo der Kardinal damals noch wohnte bzw. lange gewohnt hatte. Das war ein großes Krankenhaus mit entsprechenden Räumlichkeiten, wo man so etwas be-gehen konnte und wo sich vor allen Dingen eine Großküche befand, die nach der offiziellen Feier die Gäste ein wenig, sicherlich bescheiden, bewirten konnte. Dann aber fand am Südportal des Domes, also an der Stel-le des heutigen Roncalliplatzes, eine offizielle Feier statt, zu der die britischen Militärbehörden nun auf ein-mal kamen.

 

Die Reise nach Rom hatten sie zu torpedieren versucht, nun wollten sie dabei sein. Aber auch der erste Oberpräsident der Nordrheinprovinz und entsprechende erste Regierungsstellen, Oberbürgermeister Pünder, alles, was hier Rang und Namen hatte, versammelte sich. Kardinal Frings hat bei dieser Gelegenheit ganz bewusst gesagt: Lasst uns dieses in Trümmern liegende Köln wieder aufbauen, lasst uns die Ärmel auf-krempeln und mit dem Wiederaufbau beginnen. Das war ein sehr klarer Gedanke; er hat schon im ersten Bericht des Kardinals nach dem Krieg an Pius XII. im Juli 1945 gestanden: Zur 700-Jahr-Feier 1948 wollen wir wieder den Dom benutzen können. Das war eigentlich Wahnwitz, aber Kardinal Frings hat diesen Gedanken sehr bewusst verfolgt.

 

PEK: Sie haben vorhin berichtet, dass ihm Giovanni Battista Montini ein Kuvert hingelegt hat, als er 1946 nach Rom kam. Dieser Person ist Frings später noch einmal begegnet: nach der Papstwahl Montinis, der sich Paul VI. nannte. Vielleicht können Sie dazu noch etwas sagen.

 

Trippen: Es gibt ja viele Kardinäle, die nicht ein einziges Mal als Papstwähler zum Zuge gekommen sind; man müsste einmal nachrechnen, wie viele Kardinäle, die von Johannes Paul II. ernannt wurden und - weil er so lange regierte - nie zu der Gelegenheit kamen, das Wahlrecht auch auszuüben. Es gab auch den umge-kehrten Fall, wenn man an das Jahr 1978 denkt, als gleich zweimal eine Papstwahl anfiel. Für Kardinal Frings war es immerhin zwölf Jahre nach seiner Kardinalernennung, dass er zum ersten Mal an einem Konklave teilnehmen durfte, bei dem Johannes XXIII. gewählt wurde. Und weil dieser immerhin schon 78 Jahre alt war, war absehbar, dass innerhalb einer nicht allzu langen Zahl von Jahren wohl noch einmal eine Papstwahl stattfinden könnte, das war dann 1963 der Fall. Kardinal Frings hat also an zwei Konklaven teilgenommen. Frings hat zu allen Päpsten einen gleich guten Kontakt gepflegt. Trotzdem war es immer schon so, dass man es mit dem einen besser oder mit dem anderen weniger „gut konnte“.

 

Als Kardinal Frings nach 1970 seine Erinnerungen diktierte, hat ihn der verstorbene Prälat Herbert Michel gefragt: „Zu welchem der drei Päpste Ihrer Zeit haben sie den besten Kontakt gehabt?“ Und Michel berichtete, er hätte eigentlich erwartet, Kardi-nal Frings werde sagen, er habe zu Pius XII. den besten Kontakt gefunden, weil dieser ihn zum Kardinal er-nannt hatte. Aber Frings habe geantwortet: An Pius XII. kam man nicht heran, der war unnahbar. Den besten Kontakt habe er zu Johannes XXIII. gehabt aufgrund seiner Menschlichkeit und seiner Unkompliziertheit im Umgang. Paul VI. war wieder ein Aristokrat. Es hat ja auch Auseinandersetzungen zwischen Kardinal Frings und Paul VI. während der Konzilszeit gegeben. Das hat aber nie die persönliche Beziehung belastet. Wie der letzte Geheimsekretär von Kardinal Frings, Dieter Froitzheim, berichtet hat, ist Kardinal Frings auch nach seiner Emeritierung noch bei jeder Romreise von Paul VI. in Privataudienz empfangen worden.

 

PEK: Herr Professor Trippen, vielen Dank für das Gespräch.

 

Das Gespräch führte Dr. Manfred Becker-Huberti

 

Josef Kardinal Frings wurde am 6. Februar 1887 in Neuss geboren und am 10. August 1910 zum Priester geweiht. 1916 wurde er in Freiburg/Breisgau zum Dr. theol. promoviert und war in der Seelsorge tätig, bevor er 1937 zum Regens des Kölner Priesterseminars ernannt wurde. Zum Erzbischof von Köln wurde er am 1. Mai 1942 ernannt und am 21. Juni desselben Jahres in sein Amt eingeführt. Von 1945 bis 1965 war er Vorsit-zender der Fuldaer Bischofskonferenz. Frings amtierte bis 1969 als Erzbischof von Köln und starb am 17. Dezember 1978.

 

 

 

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