Kreditkarte für Stephan Lochner ?!?

555 Jahre wie Euro - und alles auf eine Karte

Was blieb ihm anderes übrig? Dompropst Norbert Feldhoff hatte keine Wahl: Der eigentliche Adressat konnte nicht antworten, und ohne Antwort durfte dieser Brief vom 28. Dezember 2005 unmöglich bleiben. "Sehr geehrter Herr Lochner", war das Schreiben adressiert, und die Adresse "Domkloster 4, 50667 Köln" war auch richtig, nämlich unzweifelhaft jene des Domes höchstselbst. "Geehrt" ist Stephan Lochner unzweifelhaft, ja hoch verehrt wird er sogar, denn er ist der Schöpfer des "Altars der Stadtpatrone", eines der wichtigsten Ausstattungsstücke des Doms. Dass man ihm nun brieflich die Mitgliedschaft im "American Express Gold Card Club" - noch dazu ein Jahr beitragsfrei - andiente, war also nur folgerichtig. Allein: Stephan Lochner ist seit genau 555 Jahren tot.

Ein Scherz also, feinsinnig platziert in der - holla! - fünften Jahreszeit?

Der Dompropst griff also notgedrungen und gewissermaßen stellvertretend zum Stift. "Freundlicherweise haben Sie", so antwortete Feldhoff dem Kreditkartenunternehmen höflich, "Herrn Stephan Lochner (Domkloster 4, 50667 Köln) die American Express Gold Card angeboten. Sie haben darauf hingewiesen, dass die Zahl der Gold Card Mitglieder aus gutem Grund limitiert ist und Sie haben Herrn Lochner, um sich ohne Risiko vom umfangreichen Vorteil der Gold Card Mitgliedschaft zu überzeugen, die Gold Card für ein Jahr beitragsfrei angeboten, zweifellos ein sehr großzügiges Angebot. Nun werden Sie fragen, warum Herr Lochner nicht persönlich antwortet und wieso ich überhaupt berechtigt bin, in seinem Namen zu antworten."

Und dann klärt Feldhoff das Kreditkartenunternehmen auf: über "Herrn Lochner" und sein künstlerisches Wirken für den Dom, über das Amt des Dompropstes im Besonderen und über den Dom im Allgemeinen, der zwar keine Kreditkarten, dafür aber Spenden umso dringender brauchen könne.

Der Wink mit dem Domturm blieb nicht unbeachtet.

Denn mit Datum vom 23. Januar antwortete American Express: "Da Herr Stephan Lochner nun leider kein neuer Kunde werden kann, möchten wir wenigstens ein neuer Unterstützer des Doms zu Köln werden. Daher haben wir 555 Euro überweisen lassen."

Und dann führt das Kreditkartenunternehmen noch erläuternd aus, sozusagen gutgläubig (Branche verpflichtet offenbar!) habe man die Adresse von einem so genannten Adressenhändler übernommen. Der wiederum habe sich darauf berufen, dass in seinem Bestand dieser Herr Lochner als ehemaliger Leser einer großen Hamburger Wochenzeitung geführt werde.

Sollte Dompropst Norbert Feldhoff also eines Tages - sagen wir: am Lochner-Altar - das druckfrische Exemplar dieser Wochenzeitung vorfinden, wird er verschmitzt schmunzeln. Denn jetzt weiß er ganz gewiss: Zeit ist Geld. (PEK/he)

 

Quelle:Presseamt Erzbistum Köln

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