Kölsche Töne in Peking und Shenzhen
Als Kulturbotschafter sind die Chöre am Kölner Dom eigentlich das ganze Jahr über unterwegs: bei kleinen und großen Konzertreisen, innerhalb Deutschlands und in der ganzen Welt. Das aktuelle Reiseziel ist wieder einmal der asiatische Kontinent. An diesem Donnerstag geht es für den Kölner Domchor nach China.

Etwas Chinesisches ist auch mit dabei - gewissermaßen als Hommage an den Gastgeber. Vor allem aber nimmt Domkapellmeister Eberhard Metternich neben bekannten und weniger bekannten A-Cappella-Werken von Bach, Händel, Mozart und Mendelssohn auch deutsche Volkslieder und ganz besondere musikalische Grüße von Deutschlands größter Kathedrale mit ins Reich der Mitte. So sind der von Wolfram Buchenberg neu vertonte Satz "Kein schöner Land in dieser Zeit" oder der Klassiker "Am Dom zo Kölle" in einer Bearbeitung von Domkantor Oliver Sperling ebenfalls im Gepäck der 48 Sänger zwischen 11 und 24 Jahren, die kurz vor Beginn der Herbstferien zum ersten Mal den asiatischen Kontinent bereisen und in sechs verschiedenen Städten Chinas Station machen. Nach dem Mädchenchor am Kölner Dom, der bereits 2016 als erster Vertreter der Kölner Dommusik in China gastiert hat, ist der Kölner Domchor damit der zweite der insgesamt vier Chöre am Dom, der eine Konzertreise in diesen asiatischen Kulturraum unternimmt.

 

Auf Einladung des chinesischen Chorverbandes und der Organisation "Palm International Culture Development" mit Sitz in Chinas Hauptstadt Beijing - so der chinesische Name für Peking - starten die Knaben und Herren des Domchores am 10. Oktober zu einer zweieinhalbwöchigen Konzertreise durch die Volksrepublik. Dabei wird das Ensemble mit seinen sechs Begleitpersonen zu Gast sein in Qingdao, Changsha, Sihui, Foshan, Shenzhen und eben Beijing; allesamt bedeutende Metropolen in dem mit 1,4 Milliarden Einwohnern bevölkerungsreichsten Land der Erde. Auch die Namen der Konzertsäle in diesen Großstädten haben internationales Gewicht, wie beispielsweise die "Forbidden City Concert Hall" in Peking und das Shenzhen-Grand Theatre.

 

"Das Interesse an europäischer und gerade deutscher Chorkultur ist in China sehr groß", betont Chorleiter Metternich, der bei dieser Reise neben sieben Konzerten in schon jetzt ausverkauften Konzerthallen mit je 3000 Sitzplätzen zudem Workshops in unterschiedlichen Schulen geben wird. An manchen Orten findet auch beides statt: Nach der Arbeit mit Schülern der Primar-, Mittel- oder Oberstufe sollen sich die deutschen mit den chinesischen Chorsängern mischen und Gelerntes gleich an Ort und Stelle präsentieren. Denn die Unterrichtseinheiten, so ist es ausdrücklich gewünscht, werden jeweils ein zentrales Element der einzelnen Stationen im Land sein. Interessant für die jungen Chormitglieder wird aber auch der Besuch der Deutschen Botschaftsschule in Peking sein und die Begegnung mit deutschen Kindern und Jugendlichen, die in Peking leben.

 

"Diese Reise ist gerade zu dem jetzigen Zeitpunkt, da China des 70. Jahrestages seiner Gründung gedenkt, für die Knaben eine großartige Chance, außergewöhnliche Kontakte zu knüpfen, in einen völlig neuen Kulturkreis einzutauchen und ein Land aus nächster Nähe zu erleben, dessen Einfluss weltweit wächst", sagt Metternich. "Das ist einfach mit nichts anderem vergleichbar, wenngleich natürlich auch gerade in dieser Begegnung zwischen christlichem Abendland und einer bislang kommunistisch geprägten Wirtschaftsmacht eine besondere Spannung für beide Seiten liegt." Das bedeute nicht zuletzt auch eine gewisse Flexibilität, sich mit einer gänzlich anderen Mentalität, Erziehung, Religion und Politik auseinanderzusetzen und vertraut zu machen. "Auch wenn geistliche Musik ausdrücklich nicht erwünscht wird", so der Leiter der Kölner Dommusik, "ist die Musik dabei unser Verbindungsstück - gewissermaßen das geistige Band zwischen unseren beiden so unterschiedlichen Völkern, so dass ich ganz zuversichtlich bin, über gemeinsames Musizieren mögliche Barrieren zu überwinden und eine bereichernde und unvergessliche Lernerfahrung zu machen. Denn in der Weltsprache der Musik haben wir einander ganz sicher viel zu geben."

 

Bei den Workshops werde es ebenfalls variable Ansätze geben, sich gegenseitig musikalisch anzunähern. "Bei den Jüngeren werde ich die Arbeit etwas spielerischer angehen; bei den Älteren, schon ausgereifteren Chorsängern wird es darauf ankommen, neben der Stimmbildung der Intonation mehr Aufmerksamkeit zu schenken. In jedem Fall bin ich darauf eingestellt, sensibel wahrzunehmen, was ich sehe und höre, und freue mich schon jetzt auf die Begegnung mit meinen chinesischen Kollegen", erklärt Metternich.

 

Einen besonderen Höhepunkt wird es am Ende noch einmal mit einem Aufenthalt in der modernen Metropole Shenzhen im Südosten von China geben, die Hongkong mit dem chinesischen Festland verbindet, in der das 600 Meter hohe Pingan International Finance Centre sowie viele andere gewaltige Gebäude stehen und die mit über 12 Millionen Einwohnern eine der am schnellsten wachsenden Städte der Welt ist. Dieses Finale bildet dann einen attraktiven Schlusspunkt nach einer 17-tägigen Entdeckungsreise, bei der neben dem anspruchsvollen musikalischen Programm auch das vom Veranstalter zusammengestellte Besichtigungsprogramm nicht zu kurz gekommen sein wird. Denn natürlich ist auch die Besichtigung zahlreicher Sehenswürdigkeiten, wie der "Chinesischen Mauer" oder der "Verbotenen Stadt", vorgesehen.

 

Beatrice Tomasetti

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