„Ich versuche, möglichst viele Mosaiksteine zu setzen“
Es werden Fleiß, Ausdauer und Disziplin erwartet. Doch das schreckt die Sängerinnen des Mädchenchores keineswegs ab. Ganz im Gegenteil. Wir bekommen viel zurück, sagen diejenigen, die jetzt für ihr fünfjähriges Engagement ausgezeichnet wurden. Denn Domkantor Oliver Sperling ehrte 14 Sängerinnen des Mädchenchores mit der Chormedaille.

Ihr großer Traum sei, Opernsängerin zu werden, schwärmt Nelly Stach. Mit vier Jahren habe sie zum ersten Mal eine Aufnahme der „Zauberflöte“ gehört. Seitdem sei sie für Mozart, ihren absoluten Lieblingskomponisten, entflammt. Vor allem die Arie der „Königin der Nacht“ habe es ihr angetan. Immer wieder trällere sie diese Partie aus Spaß zu Hause. Um sie eines Tages selber singen zu können, arbeite sie fleißig an ihrer Stimme, erklärt sie mit leuchtenden Augen. Überhaupt sei Oper das Tollste: so erhaben und edel, findet die 14-Jährige, die zur Stimmgruppe des Sopran I gehört. Bereits fünf Mal war die Schülerin der Musikprofilklasse der Kölner Liebfrauenschule an Opernprojekten des Mädchenchores schon beteiligt. Nun aber sei sie für den Kinderchorpart inzwischen zu alt, bedauert sie. „Dabei hat es immer so viel Spaß gemacht, gemeinsam mit Profis auf der Bühne zu stehen. Die Leute da sind alle so originell.“

 

Ihrem großen Fernziel einen Schritt näher ist Nelly allerdings an diesem Sonntag gekommen. Denn einmal im Jahr verleiht Chorleiter Oliver Sperling als "Zeichen der Dankbarkeit für geleistetes Engagement" – so steht es auf der dazugehörigen Urkunde – an alle Sängerinnen, die dann seit fünf Jahren im Mädchenchor am Kölner Dom singen, die offizielle Chormedaille. Damit zeichnet er sie für Treue, Beständigkeit und Zuverlässigkeit aus. Und Nelly ist eines der insgesamt 14 Mädchen aus dem Kammerchor, die Sperling für ihren Fleiß und die Disziplin, mit der sie die drei wöchentlichen Proben im Lindenthaler Chorzentrum und zusätzliche Stimmbildungseinheiten absolviert, mit dieser Plakette ausdrücklich belohnt und gleichzeitig zum Weitermachen anspornen will.

 

Auch Johanna Kurth und Leah Heinz gehören zu diesem Jahrgang, der im Moment die Stütze des Kammerchors bildet und demnächst auch bei den großen Fernreisen – in diesem Jahr geht es zum Zelioli-Festival nach Lecco an den Comer See – mit dabei sein darf. Singen in Gemeinschaft und dort freundschaftlich verwurzelt zu sein – das ist den beiden viel wert. „Ich könnte mir mein Leben ohne den Chor gar nicht mehr vorstellen. Er gehört zu meinem Alltag ganz selbstverständlich dazu“, sagt Leah. Sie habe immer fasziniert, wenn sie früher hinter sich die sicheren Stimmen der älteren Chorkolleginnen gehört habe. Nun sei sie selbst eine von denen in ihrer Stimmgruppe, an denen sich die Jüngeren orientieren könnten. Und natürlich sei sie auch stolz auf die Medaille, die sie von nun an immer im Gottesdienst über ihrem weißen Gewand tragen darf und mit der die langjährige Zugehörigkeit zum Mädchenchor jetzt auch äußerlich sichtbar wird.

 

„Mir hilft Singen, um einfach mal runterzukommen. In der Probe ist jeder Stress in der Schule sofort vergessen. Chor ist für mich das größte Freizeitvergnügen. Das kann nur verstehen, wer selbst mit dabei ist. Musik tut eben richtig gut“, ergänzt Johanna, die nebenher auch noch Querflöte und Gitarre spielt. „Liturgie, Oper, Konzerte, Reisen und zwischendurch noch Wettbewerbe – das macht Freude pur!“ „Die Mischung macht’s, außerdem bekommen wir für allen Einsatz doch ganz viel zurück. Schließlich schenken wir Sonntag für Sonntag den Menschen in der Kirche viel Freude.“ Das entschädige ohnehin für alles. Darin sind sich die Drei jedenfalls einig.

 

Dass es mit derart motivierten Sängerinnen Freude macht, musikalisch zu arbeiten, sieht man auch Chorleiter Sperling an diesem Sonntag an. "In den fünf Jahren ihrer Chorzugehörigkeit haben sie bereits einen sehr kompakten und selbständigen Klang entwickelt“, zeigt sich der Domkantor von der Leistung der 14- und 15-Jährigen beeindruckt. Und überhaupt: Sich für fünf Jahre an eine Sache zu binden und dabei zu bleiben, sei in der heutigen Gesellschaft keineswegs mehr selbstverständlich. Andererseits sei der hohe soziale Aspekt einer Chorgemeinschaft, in der Freundschaften fürs Leben wachsen würden, nicht zu unterschätzen. „Das Miteinander ist für diese jungen Menschen ganz entscheidend. Schließlich fördert ein Chor die Gemeinschaftsbildung“, so Sperling. 

 

Für ihn als Chorleiter sei immer wieder spannend zu erleben, wie viele individuellen Charaktere und Typen sich in einem solchen Ensemble zusammenfänden und dennoch – zumindest in der jeweiligen Altersgruppe – letztlich in der Lage seien, einen homogenen Klang herzustellen, selbst wenn die Ambitionen des Einzelnen durchaus unterschiedlich seien. „Das ist schon toll!“ Man könne sich das wie die Arbeit an einem Mosaikboden vorstellen. „Damit am Ende ein Bild entsteht, versuche ich – auch mit dem ergänzenden religiösen Angebot in der Kölner Dommusik, das über das Medium Musik eine Entwicklung zum mündigen Menschen beabsichtigt – im Laufe der Jahre und im engen Kontakt mit meinen Sängerinnen möglichst viele Mosaiksteine zu setzen.“

 

Die Chormedaille des Mädchenchores am Kölner Dom geht auf einen Entwurf des Kölner Künstlers Egino Weinert aus dem Jahr 1994 zurück, der die Plakette nach den Wünschen von Domkapellmeister Eberhard Metternich geschaffen hat. Als Motive zeigt sie auf der einen Seite die "Anbetung der Könige" als unverkennbares Zeichen für den Kölner Dom und auf der anderen die ersten Noten des gregorianischen Introitus "Tria sunt munera". Auch diese Darstellung ist von symbolischem Wert: Denn diese Komposition müssen alle Chorsängerinnen und -sänger an der Kathedrale bei ihrem feierlichen Aufnahmeritual zu Beginn eines neuen Kalenderjahres beherrschen. Außerdem ist sie längst so etwas wie die Erkennungsmelodie der Chöre am Kölner Dom geworden.

 

 

 

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