Sehen heißt Vergleichen - Ausstellung in der Domschatzkammer
Vom 21. Oktober 2020 bis zum 31. Januar 2021 ist in der Kölner Domschatzkammer eine Ausstellung zu Gegenständen des liturgischen Gebrauchs und der Andacht sowie ihrer Darstellung in der mittelalterlichen Buchmalerei zu sehen.

Antiphonar aus der Stiftung des Brictius Eberauer, Dombibliothek, Cod. 224, fol. 9r, Köln, Kreuzherrenkloster, um 1520, Detail.

In der Ausstellung werden liturgische Geräte und Gegenstände der Andacht in Beziehung mit Buchmalereien aus liturgischen Handschriften der Dombibliothek gesetzt, welche entsprechende Gegenstände visualisieren. Die Ausstellung macht für den Besucher gewissermaßen historische Beziehungen erfahrbar, denn auch in der Liturgie standen die Objekte und entsprechende Buchmalereien oft in unmittelbaren Zusammenhang, da die liturgischen Handschriften gewöhnlich neben den Altargeräten auf dem Altar lagen.

 

Besonderes Augenmerkt legt die Ausstellung auf die Art und Weise wie die Gegenstände in der Buchmalerei dargestellt und hervorgehoben werden, etwa durch Vergoldung, farbliche Hervorhebung oder Kompositionen welche sie in das Zentrum der Buchmalerei rücken. Durch das Ausstellen der Geräte und ihrer gemalten Darstellungen wird der Besucher dazu eingeladen, durch vergleichendes Sehen selbst einen Bezug von Bild und Objekt herzustellen.

 

Mit der Kölner Dombibliothek hat sich eine der ältesten und größten Kathedralbibliotheken aus mittelalterlicher Zeit erhalten. Der erste Katalog dieser einzigartigen Sammlung, die noch heute fast 300 wertvolle Handschriften umfasst, wurde bereits unter Erzbischof Hildebold (gest. 818) erstellt. Die Domschatzkammer zeigt in ihrer nunmehr 13. Ausstellung sechs liturgische Handschriften des 11. bis 16. Jahrhunderts. Ihnen gegenübergestellt werden Altargeräte wie Kerzenleuchter, Leuchterengel, eine Monstranz, Kelch und Patene sowie eine Hostienpyxis aus den Beständen der Domschatzkammer. 

Der in Köln entstandenen Makkabäer-Handschrift des Helias Mertz von 1525, die als Gegenstand privater Andacht unter anderem einen naturalistisch und in Originalgröße dargestellten Kreuzanhänger präsentiert, kann ein äußerst ähnlich gestalteter, etwa aus der gleichen Zeit stammender Anhänger aus den Beständen des Kölner Museums für Angewandte Kunst gegenübergestellt werden.  Bemerkenswert ist auch die Gegenüberstellung zweier eine gotische Monstranz flankierenden Leuchterengel und der um 1520 im Kölner Kreuzherrenkloster entstandenen Miniatur aus dem Antiphonar aus der Stiftung des Brictius Eberauer, die zwei Engel zeigt, die eine Monstranz mit dem Allerheiligsten in den Händen tragen.

 

Der Beginn der Ausstellung wurde bewusst auf den 21. Oktober 2020 gelegt, da sich an diesem Tag die Neueröffnung der Domschatzkammer in den neuen Räumlichkeiten zum 20. Mal jährt.

 

Die Domschatzkammer ist täglich von 10:00 bis 18:00 Uhr geöffnet. Weiterhin gilt aufgrund von covid-19 die Verpflichtung für alle Besucherinnen und Besucher einen Mund- und Nasenschutz zu tragen, wenn sie die Räumlichkeiten betreten. Maximal dürfen sich 46 Besucherinnen und Besucher gleichzeitig in der Domschatzkammer aufhalten.

 

Donnerstags um 15:00 Uhr und samstags um 14:00 Uhr werden öffentliche Führungen angeboten. Die Teilnahmegebühr hierfür beträgt einschließlich des Schatzkammereintrittes 8,- €. Gruppenführungen sind über www.domfuehrungen-koeln.de/Schatzkammer buchbar. Die maximale Gruppengröße liegt zurzeit bei acht Personen.

 

 

Rennenberg-Codex, Dombibliothek Cod. 149, fol. 52r, Köln, St. Klara, um 1350. Die Miniatur zeigt einen Geistlichen bei der Elevation der Hostie.

Domschatzkammer, Inv.-Nr. L 37, Kelch, Köln (?), 1. Hälfte 14. Jahrhundert.

Antiphonar aus der Stiftung des Brictius Eberauer, Dombibliothek, Cod. 224, fol. 9r, Köln, Kreuzherrenkloster, um 1520.

Domschatzkammer, Inv.-Nr. L 32, Monstranz, Köln, um 1400.

Domschatzkammer, Inv.-Nr. L 112a-b, zwei Leuchterengel, Köln, um 1500.

Totenoffizium, Dombibliothek, Cod. 244, fol. 58r, Köln, Anfang 15. Jahrhundert.

Makkabäer-Handschrift des Helias Mertz, Dombibliothek Cod. 271, fol. 70v, Köln, um 1525.

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