Zum Tod von Domgoldschmied Peter Bolg
Die Kölner Dombauhütte trauert um den langjährigen Leiter der Goldschmiedewerkstatt, Peter Bolg, der am Montag, den 14. Dezember 2020, verstorben ist.

Domgoldschmied Peter Bolg. © Robert Boecker, Bergheim.

Zwischen 1961 und 1973 war Bolg zunächst als Mitarbeiter des Kölner Goldschmieds Fritz Zehgruber und seit 1970 als verantwortlicher Restaurator mit der umfassenden Restaurierung des Dreikönigenschreines betraut. Anschließend übernahm er als Leiter der eigens eingerichteten Goldschmiedewerkstatt der Dombauhütte die restauratorische Betreuung des Domschatzes und der Silberkammer des Kölner Domes, aber auch weiterer Goldschmiedewerke in Kirchen des Erzbistums Köln. Er leitete die Werkstatt bis zu seiner Pensionierung zum Jahresende 2001. Peter Bolg, der in Fachkreisen als überaus geschätzte Koryphäe für die Restaurierung historischer Goldschmiedekunst bekannt war, wurde neben seiner Arbeit für den Dom und das Erzbistum auch weit über das Rentenalter hinaus mit der Restaurierung bedeutender Goldschmiedewerke in ganz Deutschland betraut und bis in seine letzten Lebensjahre als beratender Experte bei Restaurierungen und Untersuchungen von Goldschmiedekunst im In- und Ausland hinzugezogen.

 

Peter Bolg wurde am 1. April 1938 in Köln-Mülheim geboren. Bereits mit 15 Jahren trat er 1953 in die Werkstatt des Kölner Goldschmieds Fritz Zehgruber ein, wo er eine Ausbildung als klassischer Gold- und Silberschmied absolvierte. Ein seinen gesamten weiteren Lebensweg bestimmendes Ereignis war, dass dem bereits 73-jährigen Zehgruber 1961 die Restaurierung des Dreikönigenschreines übertragen wurde ‒ eine Maßnahme, die über eine reine Konservierung des Schreines weit hinausgehen sollte. Vielmehr war es das Ziel, den im 19. Jahrhundert verkürzten Schrein wieder auf die ursprünglichen Maße zu verlängern und die fehlenden Goldschmiedebeschläge in einer sich an die ursprünglichen Beschläge angleichenden Weise zu rekonstruieren. Von Anfang an war Zehgrubers Schüler wesentlich in die Arbeiten am Schrein eingebunden. 2002 beschrieb der langjährige Leiter des Dombauarchivs, Rolf Lauer, in seiner Laudatio auf Peter Bolg die besonderen Herausforderungen für den jungen Goldschmied: „Für einen Künstler war es sicher nicht ganz einfach, unter der Knute einer internationalen Wissenschaftlerkommission seine schöpferischen Fähigkeiten zu zügeln und sich ganz der Wiederherstellung eines über 700 Jahre alten Werkes zu widmen. Wer aber die Probestücke Peter Bolgs sieht, farbige Emailplatten und virtuose Treibarbeiten, erkennt, dass er hier seinen Weg gefunden hatte. Handwerkliche Perfektion und vollständige Einfühlung in die Kunst des großen Vorgängers machen es manchmal schwer, seine Werke von den originalen zu unterscheiden.“ Es gelang Bolg sogar den ehemaligen Leiter des Museums Schnütgen und ausgewiesenen Fachmann für mittelalterliche Goldschmiedekunst Hermann Schnitzler zu täuschen. Als er dem Kunsthistoriker ein Email des Schreines von Nikolaus von Verdun und seine Kopie vorzeigte, soll dieser Bolgs Nachbildung für das Original gehalten haben.

 

Als am 1. November 1975 die 1657/58 vom Goldschmied Christian Schweling geschaffene Prunkmonstranz aus der Domschatzkammer geraubt und anschließend nahezu vollständig zerstört wurde, wurde Peter Bolg mit der Rekonstruktion dieses einzigartigen Kunstwerkes betraut. Unter Verwendung der erhaltenen Fragmente gelang es ihm, die Monstranz zwischen 1978 und 1987 anhand von Farbfotografien und Fotogrammetrien von Neuem erstehen zu lassen.

 

Neben seinen Arbeiten für den Kölner Dom war Bolg unter anderem maßgeblich an der Restaurierung der Goldenen Madonna im Hildesheimer Domschatz (1972‒1975), des Borghorster Stiftskreuzes (1976), des sogenannten Barbarossakopfes in Cappenberg (1981), des Karls- und des Marienschreines in Aachen (1983‒2000), des Oswaldreliquiars in Hildesheim (1988‒1989), des Heribertschreines in Köln Deutz (1989‒1993), des Honoratusschreines in Siegburg (1994‒1998), des Annoschreines in Siegburg (1999) oder des Viktorschreines in Xanten (ab 2013), um nur einige der prominentesten Objekte zu nennen, beteiligt. Bolg war ferner Gründungsmitglied der 1982 eingerichteten Kölner Beraterkommission zur Sicherung und Konservierung der Reliquienschreine im Erzbistum Köln, der er bis 2015 angehörte.

 

Dass neben den vielfältigen restauratorischen Aufgaben auch Zeit für eigenständige Goldschmiedearbeiten Peter Bolgs blieb, hat eine kleine Ausstellung in der Kölner Domschatzkammer anschaulich gezeigt. Sie wurde anlässlich seiner Pensionierung Anfang 2002 in der Kölner Domschatzkammer präsentiert. Als Beispiel soll an dieser Stelle sein Meisterstück, eine 1963 gefertigte Monstranz genannt werden, die sich heute in der Domschatzkammer befindet.

 

Mit Peter Bolg ist ein geschätzter Fachmann mit einem schier unendlichen Wissensschatz von uns gegangen, aber auch ein bei allen, die ihn kannten, aufgrund seiner freundlichen, ruhigen und gelassenen Art sowie seines feinen Humors beliebter Kollege. Unser Mitgefühl gilt seiner Familie und seinen Angehörigen.

 

Domgoldschmied Peter Bolg. © Robert Boecker, Bergheim.

Peter Bolg und Fritz Zehgruber während der Restaurierung des Dreikönigenschreines. © Hohe Domkirche Köln, Dombauhütte.

Dreikönigenschrein an dessen Restaurierung Peter Bolg wesentlich beteiligt war. © Hohe Domkirche Köln, Dombauhütte, Matz und Schenk.

Von Peter Bolg wiederhergestellte Prunkmonstranz. © Hohe Domkirche Köln, Dombauhütte, W. Kralisch.

Peter Bolg, Monstranz von 1963, Meisterstück. © Hohe Domkirche Köln, Dombauhütte, J. Rumbach.

Hier können Sie direkt die Bilder anfordern
NEWS
12.01.2021
Neue nichtresidierenden Domkapitulare ernannt

Am 7. März 2021 werden Pfarrer Guido Zimmermann, Kreisdechant im Kreisdekanat Euskirchen, und Prof. Dr. Christoph Ohly, Kommissarischer Rektor der Kölner Hochschule für Katholische Theologie (KHKT) – St. Augustin, als neue nichtresidierende Domkapitulare in ihr Amt eingeführt. Dompropst Monsignore Guido Assmann überreicht ihnen im Kölner Dom vor dem Kapitelsamt um 10 Uhr den Stern des Kapitels, sowie die Ernennungsurkunde des Erzbischofs von Köln Rainer Maria Kardinal Woelki.

08.01.2021
Kölner Domblatt 2020

Zum Ende des vergangenen Jahres ist im Verlag Kölner Dom die 85. Folge des Kölner Domblattes, des Jahrbuches des Zentral-Dombau-Vereins (ZDV), erschienen. Es ist dem Andenken an den ehemaligen Kölner Dombaumeister Arnold Wolff gewidmet, der am 24. Dezember 2019 verstarb.

04.01.2021
Trapezplatte des Dreikönigenschreins bleibt geschlossen

Die Gottesdienste finden am Dreikönigstag im Kölner Dom in gewohnter Weise statt, allerdings entfällt die übliche Prozession am Ende der Liturgien coronabedingt. Ebenso die Öffnung des Schreins.

16.12.2020
Dombauhütte Köln freut sich über den Eintrag des Bauhüttenwesens in das UNESCO-Register Guter Praxisbeispiele

Am Donnerstag, den 17. Dezember 2020, wurde das Bauhüttenwesen durch den zwischenstaatlichen Ausschuss der UNESCO zum Immateriellen Kulturerbe in das Register Guter Praxisbeispiele aufgenommen. Die Bewerbung war von 18 Bauhütten aus Deutschland, Frankreich, Norwegen, Österreich und der Schweiz eingereicht worden.

16.12.2020
Stern von Bethlehem leuchtet am Dom

Der goldene Kupferstern, der den Vierungsturm des Kölner Domes ziert, wird im Zeitraum zwischen Weihnachten (24. Dezember, ca. 19.15 Uhr) bis zum Fest Taufe des Herrn (10. Januar 2021) in der Dunkelheit angestrahlt. Auch als Zeichen der Hoffnung und Zuversicht in herausfordernden Zeiten.