„In einer neuen Weise mit diesem Dom verbunden“
Domkapitel hat zwei neue Mitglieder In einer feierlichen Zeremonie sind Prof. Dr. Christoph Ohly und Kreisdechant Guido Zimmermann am dritten Fastensonntag als neue nichtresidierende Domkapitulare eingeführt worden. Ihre wichtigste Aufgabe könnte eines Tages sein, den Erzbischof zu wählen.

Mozetta, Birett und die Kapitelskette mit Stern liegen auf dem Altar bereit. Gleich – vor offiziellem Beginn des Gottesdienstes – wird Dompropst Monsignore Guido Assmann die neuen Domkapitulare Professor Dr. Christoph Ohly, Kommissarischer Rektor der Kölner Hochschule für Katholische Theologie St. Augustin, und Oberpfarrer Guido Zimmermann aus Zülpich mit dem dafür vorgesehenen Ritus in ihr neues Amt einführen. Dazu erinnert er zuvor an wichtige Stationen ihrer Ausbildung und ihres geistlichen Wirkens. Dann verliest er die Ernennungsurkunde des Kölner Erzbischofs, die bestätigt, dass vor der Ernennung das gesamte Kapitel angehört wurde – eine in Köln geltende Vorschrift. Unmittelbar darauf legen beide Geistlichen, eingerahmt von den Weihbischöfen und dem Domkapitel, vor den Stufen des Altares die „Professio fidei“ – das Glaubensbekenntnis – ab.

 

Schließlich nimmt der Dompropst den Kandidaten das Versprechen ab, ihre „Aufgaben und Pflichten als Domkapitulare gemäß den Bestimmungen des allgemeinen und des Diözesanrechtes sowie gemäß der geltenden Ordnung des Kölner Metropolitankapitels treu und gewissenhaft zu erfüllen. Wörtlich sagt er: „Gemäß den Statuten des Metropolitankapitels führe ich Euch hiermit als nichtresidierende Domkapitulare an der Hohen Domkirche zu Köln ein.“ Und fügt hinzu: „Möge Gott Euch stets seine Gnade und seinen Geist schenken.“ Es ist ein feierlicher Moment, als der Propst beiden Domkapitularen als Zeichen der Amtsübergabe die Mozetta und die Kapitelskette anlegt, das Birett überreicht und dann den Mitbrüdern – als letzte offizielle Amtshandlung – ihre Plätze im Chorgestühl zuweist.

 

In seiner ersten Predigt als Domkapitular lädt Professor Ohly die Gemeinde dann ein, die österliche Bußzeit als eine Zeit der geistlichen Erneuerung zu nutzen und den Weg hinauf nach Golgotha unter das Kreuz gemeinsam mit Jesus Christus zu gehen. Die 40-tägige heilige Zeit, wie er sie nennt, sei ein Moment der Gnade im eigenen Leben. „Ein Moment, in dem wir unsere Taufe in Christus erneuern.“ In den Evangelien der Fastensonntage erweise sich Jesus Christus dabei als Wegbegleiter, der an die zentralen Orte seines Wirkens führe, erklärt Ohly: in die Wüste, wo es kaum Leben gebe, nur Stille, Kargheit und Tod, auf den Berg als einen klassischen Ort der Gotteserscheinung und -begegnung sowie in den Tempel von Jerusalem, aus dem Jesus die Tierhändler und Geldwechsler mit den Worten vertreibt: Macht das Haus meines Vaters nicht zu einer Markthalle! Der tiefere Sinn dieser Tempelreinigung sei eigentlich eine Einladung, „uns leer räumen zu lassen von allem, was in uns Gott und dem Nächsten entgegensteht“.

 

In der Fastenzeit gelte es, wieder neu ein „Haus des Gebets, ein Tempel der Liturgie der Liebe“ zu werden. Die Texte an diesem dritten Fastensonntag könnten dabei helfen, einer selbstgewählten Sklaverei zu entkommen: „der Sklaverei der Sünde, der Selbstsucht, des Bösen, des Egoismus, der Süchte, des Geldes“, unterstreicht der Theologe. Doch dazu bedürfe es Gottes Hilfe. „Alleine vermögen wir das nicht.“ Es gehe darum, in den Einklang mit Gottes Willen zu treten. Die einzige Bedingung für ein erlöstes Leben sei die Bereitschaft, „sich unter Jesu Kreuz zu stellen, unsere eigene Schuld ehrlich anzuschauen und sie Christus hinzuhalten, indem wir sie bekennen“. Dazu lade in der österlichen Bußzeit das Sakrament der Versöhnung, die Beichte, ein.

 

„Gerade wir Amtsträger – Diakone, Priester und Bischöfe – sind als Erste gerufen, uns in diesem Sakrament unter das Erbarmen des Herrn zu stellen und aus ihm zu leben“, merkt Ohly an, um dann zu betonen: „Ja, wir wollen und werden das tun.“ Aber er appelliert ebenfalls an seine Zuhörer: „Nehmen auch Sie uns dafür in Anspruch!“ Denn dazu seien Priester geweiht und gesandt, die Worte der Vergebung im Namen und in der Person Jesu Christi zu sprechen. „Das ist wie Balsam auf unsere aufgescheuchten Seelen.“

 

Seinem Dank am Ende des Gottesdienstes legt Hauptzelebrant Pfarrer Guido Zimmermann ein für den Dom charakteristisches Wort aus dem Matthäus-Evangelium zugrunde: „Als sie den Stern sahen, wurden sie von sehr großer Freude erfüllt.“ Was über die Heiligen Drei Könige gesagt werde, treffe an diesem Sonntag auch auf ihn und Professor Ohly zu, sagt der Euskirchener Kreisdechant, der im Sendungsraum Zülpich/Veytal Leitender Pfarrer von 26 Gemeinden ist und sich sichtlich freut, dass eine wenn auch überschaubare Abordnung von Messdienerinnen und Messdienern an diesem Festtag im Dom die vielen daheimgebliebenen vertreten, die sonst dem Gemeindeleben im ländlichen Raum ein junges Gesicht geben.

 

Sie beide, bekräftigt Zimmermann auch im Namen seines Mitbruders Ohly, seien angesichts des neuen Amtes gleichermaßen mit großer Freude erfüllt. Zunächst dankt er Erzbischof Kardinal Woelki für sein Vertrauen und die ehrenvolle Ernennung. „Wir sichern unserem Bischof gerade in dieser schwierigen Zeit zu, für ihn und unser Erzbistum zu beten.“ Aber auch für die herzliche Aufnahme durch die Mitbrüder im Domkapitel dankte der Seelsorger. Und schließlich richtet er ein Wort des Dankes an die vielen Freunde und Weggefährten, die trotz der derzeitigen Coronaregelung in den Dom gekommen sind, vor allem aber auch an die vielen Gläubigen aus dem Sendungsraum Zülpich/Veytal, die pandemiebedingt leider, wie er betont, alle nur über das Fernsehen oder Internet die Messe hätten mitfeiern können. Ihnen schickt der neue Domkapitular daher von dieser Stelle einen besonders herzlichen Gruß.

 

„Der Stern des Kapitels, der uns heute überreicht wurde“, so Zimmermann weiter, „erinnert uns an den Stern, den die Heiligen Drei Könige haben aufgehen sehen und der sie zum Mensch gewordenen Gotteskind geführt hat.“ So wie von ihnen berichtet werde, dass sie auf einem anderen Weg heim in ihr Land gezogen seien, so würden auch sie beide an diesem Tag anders heimkehren. „Wir beide sind heute in einer neuen Weise, in einer besonderen Weise mit diesem Dom und mit der Gemeinschaft in diesem Dom verbunden.“

 

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