Ein Tag der Freude – Nachwuchs für den Mädchenchor
Domliturgie ohne Musik? Undenkbar. Doch während des Pandemiejahrs durften die Chöre nur sehr eingeschränkt auftreten – wenn überhaupt. Präsenzproben gingen gar nicht. Trotzdem überraschten die jüngsten Sängerinnen nun mit einer perfekten Leistung.

„Tria sunt munera“ – wer diesen gregorianischen Choral zu den Heiligen Drei Königen fehlerlos singen kann, hat es geschafft. Denn seit vielen Jahren ist er nicht nur so etwas wie die Erkennungsmelodie der Chöre am Kölner Dom, mit dem vor allem die Nachwuchssängerinnen und -sänger regelmäßig in die Kathedrale einziehen. Die mühelose Bewältigung dieser nicht ganz einfachen Tonabfolge – und dann noch in lateinischer Sprache – gilt auch als Voraussetzung für die offizielle Aufnahme in den Kölner Domchor bzw. in den Mädchenchor am Kölner Dom. Von daher markiert sie so etwas wie ein Ritual, das fester Bestandteil des jährlichen Zeremoniells ist, mit dem die nachwachsenden Chormitglieder Teil des liturgischen Dienstes werden.

 

An diesem Wochenende jedenfalls war dieser Hymnus nach langer Zeit wieder einmal zu hören – diesmal allerdings nicht wie sonst üblich als Prozessionsgesang. Denn die 23 Mädchen, die diese für die Dombesucher längst vertraute Melodie souverän anstimmten, standen auf dem großen Chorpodest im südlichen Querhaus unter dem Richter-Fenster, wo sie zum ersten Mal nach langer Zwangspause wieder als größere Gemeinschaft Aufstellung genommen hatten und durch ihre feste Position unnötige Aerosolbewegungen vermeiden wollten. Denn trotz allgemeiner Lockerungen angesichts sinkender Inzidenzzahlen wird im Dom immer noch allergrößten Wert auf die Einhaltung des geltenden Schutz- und Hygienekonzeptes mit entsprechenden Abstandsregeln gelegt.

 

„Ich bin so unglaublich aufgeregt und freue mich sehr, endlich in den A-Chor aufgenommen zu werden“, gesteht Johanna, während sie im Probensaal ihr weißes Chorgewand überstreift. „Wir haben die Stücke aber auch wirklich gut geübt. Wenn auch nur ein einziges Mal mit allen zusammen in dieser großen Gruppe.“ Ihre Klassenkameradin Franziska ist froh, dass es von nun an wieder regelmäßige und auch längere Präsenzproben im Lindenthaler Chorzentrum geben wird. „Toll, dass Singen in Corona-Zeiten überhaupt wieder möglich ist“, ruft auch Carlotta begeistert. „In der Gruppe und mit meinen Freundinnen zu singen, ist doch etwas ganz anderes als nur online am Bildschirm. Schade nur, dass nach der Koki-Fahrt nun auch unsere Chorfahrt ausfällt“, bedauert die zehnjährige Schülerin der Kölner Domsingschule, die ihrem ersten wichtigen Auftritt gleich in der Abendmesse entgegenfiebert.

 

„Ich mag die ‚Missa sine nomine’ von Casciolini, aber auch das Kyrie und das Agnus Dei von Christopher Tambling sind wunderschön“, berichtet Sophie. „Auch wenn alles auf Latein ist und man da gehörig aufpassen muss. Zum Glück erklärt uns Herr Sperling immer  ganz genau, was das alles bedeutet.“ Manches sei wie ein Ohrwurm. „Immer wieder singe ich dieselben Lieblingsstellen zuhause. Das kommt von ganz alleine, da muss ich überhaupt nicht viel machen“, erklärt sie überschwänglich und freut sich, dass die ganze Familie extra zu ihrer Aufnahmefeier in den Dom gekommen ist. „Im Anschluss gibt es zur Belohnung ein Eis“, lacht die kleine Sängerin.

 

Johanna, Franziska, Carlotta und Sophie sind vier der insgesamt 23 Sängerinnen, die von nun  an unter der Leitung von Domkantor Oliver Sperling – und im Wechsel mit den anderen Chören – regelmäßig die Liturgie an den Sonn- und Feiertagen im Dom mitgestalten werden. Dafür legen sie zuvor feierlich ein Versprechen ab, das sie vor dem Altar Domdechant Monsignore Robert Kleine geben. Doch zuvor erinnert Chorleiter Sperling daran, dass Corona seit dem 15. März des letzten Jahres maßgeblich das Leben der Kölner Dommusik mit einer vorübergehend kompletten Einstellung des Chorbetriebes beeinflusst hat. Er zeigt sich aber auch dankbar dafür, dass sie gemeinsam dieser Herausforderung standgehalten und in der Gemeinschaft diese entbehrungsreiche Zeit bewältigt haben. Dann stellt er jede neue Sängerin namentlich dem Vertreter des Domkapitels und der Gemeinde vor. Und jedes Mädchen tritt aus dem Halbkreis einen Schritt nach vorne und macht dazu eine kleine Verbeugung.

 

Kleine will schließlich von den Grundschülerinnen wissen, ob sie mit ihrem Chorgesang von nun an bereit zu einem zuverlässigen Dienst in der Liturgie des Domes sind – „zur Ehre Gottes und zur Freude der Menschen“, wie er formuliert. Und er betont, dass dieser Dienst Können, Fleiß und Einsatz erfordere sowie mit Sorgfältigkeit und dem nötigen Ernst versehen werden müsse. Gleichzeitig unterstreicht der Domkapitular, dass dies ein wesentlicher und wichtiger Dienst in der Liturgie sei. Und er bringt seine Freude darüber zum Ausdruck, dass die große Chorfamilie am Kölner Dom mit den Neuzugängen nun noch größer werde – „und das in diesen bewegten Zeiten“.

 

Bei dieser Gelegenheit dankt er den älteren Sängerinnen, die die noch unerfahrenen Kolleginnen bei dieser Messe im Hintergrund unterstützen, für ihr Engagement in den zurückliegenden Monaten. Er würdigt eigens, dass sie mit ihrer Begeisterung das Chorleben am Dom trotz der widrigen Umstände und mit unterschiedlichen Online-Formaten lebendig gehalten und viel Zusammenhalt gezeigt hätten. Auch wenn der Dom sonst üppig gefüllt sei und stattdessen zu dieser traditionellen Feier diesmal nur abgezählte Besucher zulässig seien, freue er sich, so betont Kleine, die neuen Sängerinnen – wenn auch mit viermonatiger Verspätung – jetzt endlich aufnehmen zu können.

 

Ausdrücklich dankt er auch den Eltern für ihren Einsatz und die Unterstützung, mit der sie ihre Kinder zu diesem liturgischen Dienst ermunterten. „Kirche ist – selbst in diesen schwierigen Zeiten – auch der Ort, an dem wir, an dem unsere Kinder leben“, betont er. „Wichtig ist, dass wir trotz allem Freude ausstrahlen und“, dazu wendet er sich sehr bewusst den Kindern zu, „dass Ihr voller Freude von einem Gott singt, der die Menschen liebt. Dabei ist Euer Gesang etwas, worauf wir hier im Kölner Dom nicht verzichten können.“

 

Am Ende des Gottesdienstes ist auch Zelebrant Tobias Hopmann, der Präses der Domchöre, voll des Lobes für die gelungene Darbietung der Nachwuchssängerinnen. „Es ist für uns alle eine große Freude, dass Ihr Euch in Eurem Chor zum diesem kirchlichen Engagement bekennt und sagt: Ja, durch meine Stimme, durch meinen Gesang will ich meinen Glauben nach draußen tragen. Und das nicht nur, weil Euch diese Gemeinschaft im Chor Spaß macht, sondern auch weil Ihr dazu beitragen wollt, unsere aller Freude am Glauben hier im Kölner Dom zu stärken.“ Und mit einem Augenzwinkern fügt der Domvikar hinzu: „Wenn ich nicht wüsste, dass Oliver Sperling ein grundehrlicher Mensch ist, würde ich meinen, er sagt nicht ganz die Wahrheit, wenn er behauptet, Ihr hättet mit nur einer einzigen Gesamtprobe ein derart tolles Ergebnis zustande gebracht. Nur eine Probe, das kann ich gar nicht glauben, und dann eine solche Perfektion! Meinen ganz großen Respekt für diese herausragende Leistung. Das habt Ihr wirklich, wirklich super gemacht! Euch von Herzen Dank dafür!“

 

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