Kerzenbalken d. Kölner Kannengießerzunft

Die dem südlichen Chorumgang zugewandte Seite des Kannengießerbalkens erzählt in 13 Bildern das Leben des hl. Bischofs Nikolaus von Myra. Die Malereien aus der Zeit um 1400, die heute nur noch schemenhaft in ihrer Anlage zu erkennen sind, zeigen den hl. Nikolaus vor allem als wundertätigen Bischof. Dieser für den Kölner Dom einzigartige Nikolaus-Zyklus ist wohl in Zusammenhang mit der offenbar ursprünglichen Anbringung des Zunftbalkens in der Nähe des ehemaligen Nikolausaltares am südlichen Eingang des mittelalterlichen Chores zu sehen.
Birgit Lambert, M.A., Kunsthistorikerin

Im Kölner Domchor lassen sich insgesamt vier mit Kerzen versehene Bruderschaftsbalken nachweisen: zwei sind nur urkundlich erwähnt, zwei sind noch heute im Dom verblieben. Diese Balken trugen jeweils fünf Kerzen, deren Gewicht (25 Pfund) offenbar genau festgelegt war. Innerhalb des Zunft- bzw. Bruderschaftslebens bildete die jährliche Erneuerung der Kerzen und ihre Überbringung an den Bruderschaftsaltar einen Höhepunkt. Ein Fernbleiben konnte unter anderem mit einer Wachsstrafe geahndet werden. Nicht nur im Dom und innerhalb Kölns findet sich diese Form der religliösen Verbundenheit des mittelalterlichen Zunftwesens mit der Kirche, sondern auch in anderen Regionen und Ländern. Das Wachs- bzw. Kerzenopfer scheint derart prägend gewesen zu sein, daß im süddeutschen Sprachraum das Wort 'Zunft' sogar durch 'Kerze' verdrängt wurde.
Birgit Lambert, M.A., Kunsthistorikerin