Hohe Domkirche Köln, Dombauhütte; Foto: Matz und Schenk
Abweichend von den Altarbildern der Chorkapellen, wie sie in der Johannes- und der Agneskapelle noch erhalten sind, ist in der Stephanuskapelle nicht die Kreuzigung Christi dargestellt. Die Wand über dem Altar zeigt vielmehr zwei Szenen in vergoldeter Maßwerkarchitektur: links die Steinigung des hl. Stephanus, des Hauptpatrons der Kapelle, rechts eine Szene aus dem Leben des hl. Kölner Erzbischofs Gero, dessen Reliquiengrab sich inmitten der Kapelle erhebt. Dazwischen bleibt ein schmaler Wandstreifen frei. Hier stand seit der Errichtung dieses Grabes um 1270 bis zur Mitte des 14. Jahrhunderts das von Gero gestiftete monumentale Kreuz, das heute über dem Altar der Kreuzkapelle hängt. Schon im Alten Dom war der 976 verstorbene Erzbischof inmitten der Kirche beim Kreuzaltar und dem dahinter aufgestellten Gerokreuz bestattet worden. Diese Verbindung von Grab, Altar und Kreuz wurde in der Stephanuskapelle um 1270 wiederholt. Das im 19. Jahrhundert von Wilhelm Batzem stark übermalte Wandbild hält die Erinnerung an die ehemalige Aufstellung des Gerokreuzes über diesem Altar fest. Batzem wußte allerdings nichts mehr davon und setzte die obere Rahmenarchitektur, die ursprünglich in der Mitte unterbrochen war, über die Lücke hinaus fort.
Dr. Rolf Lauer, Kunsthistoriker