Dompropst Bachner als Regimentspfarrer der EhrenGarde verabschiedet
Der Regimentsappell zu Dreikönigen ist für die EhrenGarde der Stadt Köln ein gesetzter Termin. Diesmal stand die Verabschiedung von Dompropst Bachner auf dem Programm. Für eine Überraschung dabei sorgte der Mädchenchor am Kölner Dom.

Spätestens wenn „Am Dom zo Kölle“ angestimmt wird, erreicht jede karnevalistische Veranstaltung ihren Höhepunkt. Dann hakt man sich beim Nachbarn zum Schunkeln unter und beschwört beschwingt bei „Kölle am Rhing“ das kollektive Heimatjeföhl: „Et jov doch op Ääde kein schönere Stadt.“ Dieser Bläck Fööss-Klassiker ist eigentlich immer ein Garant für Ausgelassenheit und Frohsinn. Und so konnte sich auch Domkantor Oliver Sperling absolut sicher sein, mit dieser Programmeinlage des Mädchenchores am Kölner Dom beim diesjährigen Regimentsappell den Nerv des Kölner Traditionskorps EhrenGarde getroffen zu haben. Mit tosendem Applaus und Standing Ovations jedenfalls wurde dann in der Tat dieser Überraschungsauftritt der Sängerinnen im Hotel „Maritim“ von allen Anwesenden gefeiert. „Es war ein Hochgenuss!“, lobte Ehrengarde-Kommandant Curt Rehfus die „musikalische Extra-Klasse“ des Dom-Ensembles im Anschluss und dankte den Gästen für ihre Darbietung mit einer spontanen Einladung zum nächsten „Bützje-Ball“.

 

Doch zunächst hatten die Sängerinnen bei den Karnevalisten mit weniger Populärem gepunktet und eine Kostprobe von dem gegeben, was sonst üblicherweise ihr Repertoire im Dienst der Dommusik ausmacht: „O come, let us sing“, eine Motette von Egil Hovland, bei der der Psalmist zum gemeinschaftlichen Singen aufruft und die, wie Sperling den Gardisten erklärte, so etwas wie das Motto-Lied des Chores bei seiner Südafrika-Reise im vergangenen Sommer gewesen sei. Charmant und mit viel Humor – trotz vorgerückter Abendstunde, denn erst war der Regimentsspielmannszug mit großem Einzug an der Reihe, dann atemberaubende Tanzvorführungen und zwischendurch immer wieder zahlreiche Ehrungen – sorgte der Dommusiker dann für eine weitere Premiere. Wer die Frauenquote am Dom mit der sensationellen Einführung von Domschweizerinnen heben könne, sei sicher auch in der Lage, einen Mädchenchor zu dirigieren, wandte er sich schmunzelnd mit einer eindeutigen Anspielung seinem Dienstvorgesetzten Bachner zu. Außerdem könne der Dompropst bei dieser Gelegenheit gleich einmal testen, ob es leichter sei, das Domkapitel zu führen oder eben diese Schar junger Damen, legte er launig nach.

 

Da ließ sich Bachner nicht lange bitten. Souverän meisterte er seinen Part, als er zum großen Vergnügen aller Anwesenden auf der Bühne den imaginären Taktstock von Sperling übernahm und das nicht gerade anspruchslose Stück „Carol of the Bells“ von Myka Leontovitch dirigierte. Es war am Ende der Teil des Abends, der einmal mehr das Wir-Gefühl dieses Korps beschwor, aber auch das Wirken eines Karnevalsvereins in die Zivilgesellschaft hinein demonstrierte, das weit über die Session und vordergründiges Amüsement hinausreicht. „Schön, dass hierzulande jeder auf seine Weise feiern kann und in Köln Kirche und Karneval zusammengehören“, brachte es Chorleiter Sperling abschließend auf den Punkt. Noch lange nicht existiere – gerade angesichts der erst jüngst gemachten Erfahrungen in Südafrika – in anderen Teilen der Welt eine derart selbstverständliche Freiheit. Und um genau das mit einem Ausrufezeichen zu versehen, setzte er zu einem letzten Stück an, und die Mädchen sangen das bekannte Volkslied „Die Gedanken sind frei“.

 

Dass es bei der EhrenGarde um sehr viel mehr als nur um Karneval geht, hatte auch der scheidende Regimentspfarrer, Dompropst Bachner, der altersbedingt seine Aufgabe am Dom im April abgibt, bereits zuvor in seiner Ansprache betont. Kameradschaft, Solidarität und ehrenamtliches Engagement bildeten das Fundament dieses Korps. „Diese Werte tragen in der Vergangenheit, heute und morgen.“ Im Hinblick auf das aktuelle Sessionsmotto „Et Hätz schleiht im Veedel“ sagte Bachner: „Wir brauchen Menschen und Orte, die für Offenheit, Mut, Toleranz und Zuwendung stehen – und nicht nur im Karneval, sondern überall und alle Zeit: im Veedel wie in der EhrenGarde, ob im Hahnentor, in den Brauhäusern oder Sitzungssälen.“ Dann frage auch niemand: Woher kommst du? Wer bist du? Was hast du? Sondern man sage kurz: Schön, dat du do bes! Die Ehrengarde wolle ein solches – wie von den Bläck Fööss besungenes – Veedel, in dem man zusammenhalte, sein – „ejal, wat och passeet...“  Denn bei der EhrenGarde könne man sich aufeinander verlassen: „Wer einmal einen Hänger hat, dem wird liebevoll geholfen, den Hänger wieder zu überwinden – gemäß unserem Motto: Mer stonn zesamme!“

 

Tradition und Erneuerung spielten für die Zukunft des Vereins eine wichtige Rolle, so Bachner weiter, wobei er zur Tradition auch die enge Beziehung der EhrenGarde zum Dom zählte. Schließlich ist der Regimentspfarrer der jeweils amtierende Dompropst. „Und die Heiligen Drei Könige sind die Impulsgeber für unsere Zukunftsweg.“ Bachner erinnerte an eine gemeinsame Romreise, die er mit dem aktiven Korps 2016 unternommen hatte, aber seitens der Gardisten auch an die Unterstützung des Domes, die in Form von Geschenken wie dem großen Stern auf dem Vierungsturm oder der Fiale am Nordportal, aber auch als Spenden in den letzten Jahrzehnten der Kathedrale immer wieder zugute gekommen waren.

 

Beim Thema „Erneuerung“, die der Verein zurzeit mit dem Prozess „Zukunftsperspektive EhrenGarde“ antrebt,  verwies er – analog zu den Überlegungen, die aktuell auch das Domkapitel für den Dom anstellt – auf die Frage nach dem Markenkern und darauf, dass jeder Einzelne sich bewegen müsse und man nicht darauf warten könne, dass es nur die anderen täten. „Da geht es um Positionen, die unbedingt gehalten werden müssen. Da geht es aber auch um ein Ringen, Kompromisse zu finden, unsere DNA zu leben und – im Einzelfall – auch Sonderwege zu bejahen, wo sie begründet sind und zu unseren Werten passen.“ 

 

Bachner betonte: „Als Ehrengardisten können wir einen offenen Dialog mit der Gesellschaft nur führen, wenn uns allen klar ist, welche Schritte wir im Licht des Sternes der Heiligen Drei Könige gehen möchten; mit einem Stern, der uns nicht blendet, sondern der uns leuchtet auf dem Weg.“ Abschließend rief er seinen Zuhörern noch einmal ein munteres „Maat et joot“ zu und beteuerte herzlich: „Mir blieve zesamme!“

 

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