„Gott ist die Quelle unseres Lebens“
Kölner Domsingschule holte Erstkommunion nach

Lange hatten die 42 Kinder coronabedingt ihrem großen Tag entgegengefiebert. Nun wurde die Erstkommunion jeweils im Klassenverband und damit in zwei Feiern nachgeholt. Dass diesmal manches anders war als sonst, hatte aber was.

 

„Es war schon blöd, dass Corona dazwischen gekommen ist“, findet Paul. „Jetzt bin ich einfach froh, dass wir dieses große Fest endlich feiern können. So lange haben wir nun darauf gewartet“, sagt der Zehnjährige und zieht das „o“ entsprechend in die Länge. Besonders schade sei es um die Koki-Fahrt. Darauf hätten sich alle am meisten gefreut. „Zuerst war ich nur traurig, als im Frühjahr unsere Feier im Kölner Dom abgesagt wurde. Es sollte doch ein ganz besonderer Tag werden, auf den wir uns schon so lange in der Schule vorbereitet hatten. Ein großes Fest war geplant: mit Familie und Freunden“, erklärt Elisabeth. „Aber als dann schnell klar war, dass wir auch nicht in der großen Gemeinschaft in den Dom können, sondern jede Klasse wegen der Abstandsvorschriften für sich bleiben muss, haben wir auch zuhause mit der Familie beschlossen, im September alles viel kleiner ausfallen zu lassen“, erzählt die Neunjährige. Das habe auch so seinen Reiz, meint ihre Mutter Nadja Roderburg. „Nun findet die Feier nicht auswärts, sondern zuhause statt, nicht mit vielen, sondern eher wenigen Gästen. Das ist entspannter und auch intimer.“

 

Furchtbar aufgeregt sei sie, sprudelt es aus Johanna heraus. Schließlich sei die Erstkommunion etwas ganz Besonderes. „Ich kann es kaum erwarten, die Hostie in den Händen zu halten. So ein kostbarer Moment wie heute kommt nie wieder.“ Mit ihren 20 Klassenkameradinnen und -kameraden sitzt das Mädchen mit dem zarten Blumenkranz um den zusammengebundenen Dutt auf dem Steinvorsprung im Chorumgang vor der Sakristei und wippt ungeduldig mit den Füßen. Jeden Moment werden sich alle zur Prozession aufstellen – so wie sie es im Vorfeld bei der Probe geübt haben. Dann werden die Lehrer die selbstgebastelten Kerzen anzünden, und der festliche Gottesdienst kann beginnen. Doch zuvor gibt Schulseelsorger Burkhard Hofer noch einmal letzte Hinweise zum Einzug durch das große Mittelschiff und dem Ablaufplan, den die Kinder ab jetzt selbst im Kopf haben müssen, damit ein guter Gesamteindruck entsteht und niemand aus der Reihe tanzt. Und auch, wann sie dran sind mit ihrem Begrüßungswort, dem Kyrie-Ruf oder einer Fürbitte. 

 

Dass sie diesmal nicht wie sonst, wenn die Kölner Domsingschule Erstkommunion im Dom feiert, in einer großen Gemeinschaft um den Altar sitzen dürfen, sondern weit auseinander, lässt auch optisch ein völlig neues Bild entstehen. Sorgfältig ist bei der Sitzordnung der jeweils 21 Kommunionkinder darauf geachtet worden, dass zu allen Seiten der vorgeschriebene Abstand von zwei Metern eingehalten wird. Und auch ihre Gästeliste musste jede Familie deutlich für die Teilnahme am Gottesdienst abspecken. Schließlich stehen nur begrenzt Bankreihen für die engsten Angehörigen zur Verfügung. Und auch hier soll es so sein, dass die offiziell geltenden Regeln der Coronaschutzverordnung eingehalten werden und jede Gefahr einer Ansteckung vermieden wird. 

 

Trotzdem sind alle erleichtert, dass die Verantwortlichen in Schule und Dom fleißig und in enger Abstimmung miteinander an einem Konzept gearbeitet haben, das die Erstkommunion – wenn auch mit vier Monaten Verspätung – überhaupt möglich macht und daraus selbst mit den notwendigen Einschränkungen noch eine würdige Feier wird. Dazu gehört auch, dass Domkantor Oliver Sperling zum ersten Mal seit Ausbruch der Pandemie wieder mit 40 Sängerinnen seines Mädchenchores auf einem eigens im südlichen Querhaus errichteten Chorpodest musizieren kann, die deutlich kleinere Formation einen berührenden musikalischen Rahmen schafft und aus der Nähe auch die feine Stimmqualität der einzelnen Sängerin deutlich vernehmbar ist. „Jetzt haben wir zumindest wieder eine Perspektive“, ist der Chorleiter nach einer langen Zwangspause dankbar für diesen ersten Einsatz des Ensembles in Richtung Normalität.

 

Überhaupt hat es einen ganz eigenen Charme, dass diesmal – neben der ungewöhnlichen Position des Chores unter dem Richter-Fenster – auch sonst choreografisch manches anders ist als üblich, aber der Kern des Geschehens, die intensive Erfahrbarkeit eines tiefen Glaubenserlebnisses, von den äußeren Umständen dennoch völlig unberührt bleibt. Die positive Anspannung der Kinder, von denen jedes auf seinem Platz auf sich gestellt bleibt und daher nicht abgelenkt werden kann, schafft eine spürbare Atmosphäre der Konzentration und unterstreicht eher noch zusätzlich den Festcharakter dieses Mittags im sonnendurchfluteten Dom. Ganz besonders augenfällig wird das, als jedes Kind einzeln zum Empfang der Eucharistie vor den Altar tritt, und auch später, als sich alle Kommunionkinder vor dem Schlusssegen im und vor dem weitläufigen Altarraum aufstellen, um das von Sperling für diesen Anlass komponierte Koki-Lied „Unsere Quelle bist du“ vorzutragen.

 

Auch Domvikar Tobias Hopmann, der als Präses der Chöre am Kölner Dom die Messe zelebriert, kommt noch einmal auf die wochenlangen Unwägbarkeiten im Vorfeld der Feier zu sprechen, die alle auf eine harte Probe gestellt haben, meint dann aber launig an die Kinder gewandt: „Nun hattet Ihr noch ein paar Monate mehr, um Euch auf dieses Fest vorzubereiten.“ Und eine intensive Vorbereitung könne in einem solchen Fall keineswegs schaden. Wichtig sei allein, dass das Sakrament der Eucharistie nun überhaupt stattfinden und darin die Liebe Gottes erfahrbar werden könne.

 

Dass der Alltag der Domsingschüler vor ein paar Monaten noch ganz anders ausgesehen hat, beweist sehr anschaulich das Koki-Bild neben dem Altar, das die Kinder mit dem Künstler Hans-Christian Rüngeler noch vor dem Corona-Ausbruch gestaltet haben und das den Titel „Quelle des Lebens“ trägt. In bunten Farben hat jedes Kind darauf sein eigenes Konterfei angebracht. Alle springen da noch wild durcheinander, von Abstandsregeln keine Spur. „Das Bild drückt Freude aus“, beschreibt Franziska das Kunstwerk. „Nicht Wasser, sondern wir Kinder springen aus der Quelle. Wir sind bunt und dürfen alle verschieden sein.“ Jeder habe sich so gestaltet, wie er sein wolle. „Und das Wasser, das aus der Quelle strömt“, weiß Karlotta, „ist besonderes Wasser: Wasser des Lebens.“

 

„Ja, Gott ist die Quelle unseres Lebens“, unterstreicht auch Hofer in seiner Katechese. Wenn Jesus vom „Wasser des Lebens“ spreche, das jeden Durst lösche, dann meine er damit ein „Leben in Fülle“: das ewige Leben. „Aus dieser Quelle können wir leben, voller Energie – wie auf Eurem Bild so toll dargestellt.“ Darüber hinaus mache Jesus jedem Kommunionkind an diesem Tag ein großes Geschenk. „In der Gestalt des Brotes schenkt er sich selbst. Er legt sich in Eure Hände und Ihr dürft ihn in Euch aufnehmen. Eine größere Nähe gibt es nicht!“ Der Schulseelsorger betont: „ Er stärkt Euch aus seiner Quelle mit seinem Leib und schenkt Euch – uns allen – darin, was wir zum Leben brauchen: Mut und Hoffnung, Freude und Geborgenheit, Vergebung und Trost und noch vieles mehr.“ Doch jeder sei auch dazu aufgefordert, davon etwas an andere weiterzugeben. Denn echte Gemeinschaft lebe vom Miteinander, von Herzlichkeit und vom Füreinander da sein. „Wenn wir alle so handeln, dann sprudelt die Quelle des Lebens kräftig weiter, weil wir alle dazu beitragen, dass sie sprudeln kann, da wir weiterverschenken, was wir von Gott, der Urquelle und dem Ursprung unseres Lebens, empfangen.“

 

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