Hohe Domkirche Köln, Dombauhütte; Foto: Matz und Schenk
Die Südwand der Agneskapelle, in der die hl. Irmgardis von Zutphen bestattet ist, zeigt ein fast ganz zerstörtes, schwer deutbares Wandgemälde. Erkennbar sind noch zwei Kruzifixdarstellungen in goldener Maßwerkarchitektur. Ein Kruzifixus ist mit dem üblichen kurzen Lendenschurz bekleidet, der linke dagegen trägt ein langes, auch den Oberkörper verhüllendes Gewand. Er folgt im Typus einem der bedeutendsten Gnadenbilder des christlichen Mittelalters, dem sogen. Volto Santo im Dom zu Lucca in Italien, der auch für viele deutsche Pilger ein verehrtes Wallfahrtsziel war. Die Darstellung beruht auf einer Legende, nach der ein Kreuz in San Paolo fuori le mura in Rom der hl. Irmgard Grüße an das Kreuz im Kölner Dom, das Gerokreuz, aufgetragen habe. Für Pilger aus Deutschland, die ja auch auf ihrem Weg zum Dreikönigenschrein die Agneskapelle mit dem Reliquiengrab Irmgards aufsuchten, war ein langgewandeter Kruzifixus sofort als wundertätiges Kreuz aus Italien erkennbar. Das Gerokreuz wird als Gnadenbild des Kölner Domes einem der wichtigsten Kreuzgnadenbilder in Italien gleichgestellt. Das Kruzifixbild in der Agneskapelle ist somit eines der wichtigsten Zeugnisse für die Illustration des Pilgerweges im Dom.
Dr. Rolf Lauer, Kunsthistoriker

Irmgard (Irmgardis) von Süchteln (Zutphen)
Irmgard kam um das Jahr 1020 auf der Burg Aspel als Tochter des Grafen von Aspel zur Welt. Nachdem ihre Eltern gestorben waren, verteilte sie ihr Erbe großzügig unter Krankenhäusern, Kirchen und Bedürftigeneinrichtungen. Nachdem sie einige Pilgerreisen nach Rom unternommen hatte, soll die Gräfin als Einsiedlerin in Süchteln gelebt haben. Ihre letzten Lebensjahre verbrachte Irmgard in Köln, wo sie Stifte und Klöster unterstützte. Sie starb um 1084. Ihre Gebeine ruhen heute in der Agneskapelle des Kölner Domes.

Irmgard wird als Pilgerin mit Stab oder als Jungfrau mit Stirnreif dargestellt.

Fest: 4. September
 

Heilige im Dom