Ab 1. März 2017 gelten folgende Regelungen:
Für den Dom gilt ein striktes Verbot für das Mitführen von großen Koffern, Reisetaschen, Wanderrucksäcken. Handgepäck bleibt erlaubt (Handtaschen, kleine Rucksäcke und kleine Rollkoffer).
Das Mitführen von eigenen Sitzgelegenheiten (z. B. Klappstühle) ist nicht gestattet.
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News

01.08.2006

Gerhard Richter stellte seinen Entwurf für das Dom-Fenster im Südquerhaus vor

Bild: Lengyel Toulouse Architekten Köln

Manchmal liegt das Gute so nahe. Und doch braucht es seine Zeit, die bestmögliche Lösung als solche zu erkennen und sie mit viel Mut und Innovationsfreude umzusetzen. Eine solche scheint nach einem jahrelangen Entscheidungsprozess innerhalb des Domkapitels, was mit dem allzu lichten, farblosen und 20 Meter Höhe messenden Fenster im südlichen Querhauses des Kölner Domes auf Dauer geschehen solle, gefunden. Gerhard Richter, einer der weltweit renommiertesten Künstler der Gegenwart und Wahlkölner stellte jetzt gemeinsam mit Dompropst Dr.hc Norbert Feldhoff und Dombaumeisterin Professor Barbara Schock-Werner seinen endgültigen Entwurf vor, der so ganz anders ausgefallen ist, als seine Auftraggeber es sich ursprünglich gedacht hatten. Märtyrer des 20. Jahrhunderts sollten es sein, darauf hatte sich das Kapitel zunächst verständigt und bald gezielt die Künstler Egbert Verbeek und Manfred Hürlimann um entsprechende Entwürfe gebeten. Die gewünschte Darstellung der modernen Heiligen sollte der Aktualität einer angemessenen Gegenwartskunst entsprechen, eine theologische Grundaussage illustrieren und sich damit ikonographisch gleichzeitig mittelalterlicher Vorbilder entlehnen, um sich außerdem in die Zyklen der bestehenden historischen Fenster einbinden zu lassen. Eine Rekonstruktion der ursprünglichen Glaskunstwerke, wie sie zeitgleich an anderen Wänden im Dom stattfindet, kam von Anfang an nicht infrage, zumal keinerlei Abbildungen mehr existieren. Denn das von König Wilhelm I. von Preußen gestiftete Fenster mit dem Bildprogramm von Königen und Erzbischöfen wurde bedauerlicherweise nicht rechtzeitig wie die berühmten "Bayernfenster" und die kostbaren Verglasungen des Mittelalters im Zweiten Weltkrieg ausgebaut und damit vor der Zerstörung bewahrt. Die Chance zu gänzlich Neuem und bar jeder Rücksichtnahme auf gängiges Bildvokabular schien gleichzeitig damit eröffnet, wie sich nun zeigt.

Auf den ersten Blick mag dennoch nun das aktuelle Ergebnis von Gerhard Richter in seiner kleinteiligen vibrierenden Farbigkeit verwundern, in seiner Abstraktion und Modernität, die aus der distanzierten Betrachtung an Computerpixel erinnert, überraschen, ganz sicher für Diskussionsstoff sorgen, im Letzten aber gerade durch seine unerwartete Widersprüchlichkeit im traditionellen Kontext einer der bedeutsamsten Kathedralen des Abendlandes bestechen. Denn wie kaum ein vergleichbar markantes Kunstwerk verbindet dieses Fenster an exponierter Stelle auf exemplarische Weise Altes mit Neuem. 11.500 Farbquadrate in 72 unterschiedlichen Farben mit einer Kantenlänge von je 9,4 Zentimetern aus mundgeblasenem Echt-Antik-Glas, wie sie derzeit eine Spezialglaswerkstatt in Waldsassen herstellt, fügen sich nun zu einem Ganzen und werden dem Dom an dieser Stelle wieder genau etwas von dem Licht wiedergeben und damit das in der Gotik typisch Diaphane, das vorangegangene Künstlergenerationen einst als durchgängiges Konzept für die schlanken Querhauswände vorgegeben hatten. Denn in der Gotik gelten Fenster als wichtige Bestandteile der Architektur und nicht nur als dekorative Eigenelemente, die in ihrer Ausgestaltung einer Beliebigkeit anheim gestellt werden. Eine Computersimulation lässt bereits jetzt die Wirkung erahnen, die das Fenster bei seiner Fertigstellung im kommenden Frühjahr für das Querhaus und die Vierung haben wird. Und mit diesem Endresultat, dem in den vergangenen Monaten intensive Gespräche zwischen dem Künstler und dem Kapitel über manchen Änderungswunsch vorausgegangen waren, zeigten sich bei der Pressepräsentation sowohl der Dompropst als auch die Dombaumeisterin hochzufrieden. Neben dem frappierend anders ausgefallenen Entwurf ist allein bei diesem auf eine ungewohnte Zusammenarbeit angelegten Dialog schon die Tatsache bemerkenswert, dass Gerhard Richter kaum als Kirchenkünstler gelten kann - dies ist immerhin sein erster offizieller Auftrag seitens der Kirche - und auch grundsätzlich sein Oeuvre nicht unbedingt offenkundig religiöse Motivation vermuten lässt. Freimütig urteilte daher auch Dompropst Feldhoff: "Dieses Fenster stellt nichts Religiöses dar, aber eine Herausforderung des Sehens; es regt zur Stille an, es schafft ein von Farben schillerndes Licht, es animiert, beseelt, regt zur Meditation an und schafft ein Flair, das für das Religiöse öffnet."

Dabei hatte Gerhard Richter, der erstmalig vor Jahren schon einmal mit der von ihm geschaffenen Lithographie "Domecke" und über seine Beziehung zum damaligen Kölner Weihbischof Hofmann in Kontakt mit den Verantwortlichen des Domes kam, zunächst den Auftrag ablehnen wollen. "Ich war begeistert, aber auch erschrocken, als die Anfrage kam, und fühlte mich überfordert", gab der eher wortkarge Künstler gegenüber den zahlreichen Journalisten zu. Ein figürliches Konzept zu realisieren schien ihm aufgrund der strengen technischen Vorgaben sofort unrealistisch. Erst die "Spielerei" mit einer Schablone auf dem Maßwerkrahmen des Fensters, bei der er sein bereits 1974 gefertigtes Bild "4096 Farben" zugrunde legte, habe ihn zu der Idee inspiriert, auf diese frühe Arbeit zurückzugreifen, diese dann in Abwandlung in das Maßwerk einzuordnen und das Ganze als Vorschlag dem Auftraggeber vorzulegen. Und das Domkapitel ließ sich gerne überzeugen und verwarf seine Forderung nach einer figürlichen Darstellung.

Die aus Richters Idee entwickelte Komposition folgt einer Zufallsdramaturgie, denn die vielen unterschiedlichen Farbfelder ordnet nun der Computer an, damit auch keine Farbe den Gesamteindruck des Fensters dominiert und damit den beabsichtigten Zufall verfälscht. Die technische Herausforderung, die einzelnen Farbquadrate auf insgesamt 113 Quadratmetern und auch in 40 Metern Höhe - dort liegt der Scheitelpunkt des Fensters - zu fixieren, verlangte nach einer dauerhaften Methode, die ebenfalls die Glashütte am Niederrhein entwickelte. Auf einer Trägerscheibe werden die einzelnen Partikel mit Silikon-Gel fixiert, denn natürlich muss das Fenster statischen Ansprüchen genügen und zur Außenseite hin im Ernstfall Windlasten und Hagel trotzen.

Auf eine kontroverse Diskussion über dieses abstrakt gestaltete Fenster sind die Entscheidungsverantwortlichen vorbereitet. Dennoch sind der Dompropst und die Dombaumeisterin zuversichtlich: "Wir hoffen aber, dass die meisten dieser Lösung zustimmen werden." Wer das besonders nachdrücklich tun will, kann sich mit einer Spende an der Realisierung dieses Kunstwerkes beteiligen und sich in ein virtuelles Stifterbuch im Internet ohne Nennung der Spendensumme eintragen (www.dombau-koeln.de/stiftungen). Denn die Material- und Handwerkskosten belaufen sich auf 350.000 bis 400.000 Euro und sollen auf Wunsch des Domkapitels von einer Bürgerstiftung, wie es im Dom hinsichtlich der Fenster schon immer Tradition war, aufgebracht werden. Und wer bis zum 31. Dezember zu den großzügigsten Spendern zählt, erhält zusätzlich neben einer Einladung zur Einweihung des Fensters 2007 eine vom Künstler signierte Dankesgabe. Für den künstlerischen Entwurf selbst sind keine Kosten entstanden: Gerhard Richter schenkt dieses einzigartige Kunstwerk der Kölner Kirche. (PEK/B.T.)

 

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Kulturstiftung Kölner Dom Das Generationenprojekt 11.000 Sterne für den Kölner Dom ZENTRAL-DOMBAU-VEREIN ZU KÖLN VON 1842 DOMKLOSTER 4