Ab 1. März 2017 gelten folgende Regelungen:
Für den Dom gilt ein striktes Verbot für das Mitführen von großen Koffern, Reisetaschen, Wanderrucksäcken. Handgepäck bleibt erlaubt (Handtaschen, kleine Rucksäcke und kleine Rollkoffer).
Das Mitführen von eigenen Sitzgelegenheiten (z. B. Klappstühle) ist nicht gestattet.
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News

12.04.2019

„Der emotionale Zugang ist wichtig“

Ab diesem Freitag beginnt für die Sängerinnen und Sänger der Chöre am Dom ein ziemlich dichtes Programm. Trotzdem bereiten sie sich nicht nur musikalisch auf das Osterfest vor.

Den Anfang macht heute Abend der Kölner Domchor mit Passionsmotetten aus dem 16. Jahrhundert und der Johannes-Passion von Heinrich Schütz. Dieses Konzert am Dreikönigenschrein bildet den Auftakt zu einem fleißigen Pensum, das alle vier Chöre der Kölner Dommusik bis einschließlich Ostermontag absolvieren. Denn im Wechsel werden die insgesamt etwa 400 Sängerinnen und Sänger - die meisten von ihnen sind Kinder und Jugendliche - die feierlichen Messen in den Kar- und Ostertagen gestalten. Das erfordert viel Fleiß und Engagement, aber auch Herzblut. Schließlich sind das intensive Erleben vom Leiden und Sterben Jesu Christi sowie die Auferstehungsgottesdienste in der Osternacht und am Ostermorgen vor allem etwas für die Seele.

 

Und so ist es seit vielen Jahren gute Tradition, sich in der Karwoche mit intensiver Probenarbeit, aber auch spirituellen Einheiten auf Ostern einzustimmen und die Gottesdienste im Dom sehr bewusst vorzubereiten. Dazu gehört vor allem für die jüngeren Chormitglieder, sich von einem Team rund um die beiden pädagogischen Mitarbeiterinnen in der Dommusik, Dominique Holtmann und Susanne Wetzler, an den vier Vormittagen - bis einschließlich Gründonnerstag - zwischen den Proben im Kardinal-Höffner-Haus immer wieder zur Auseinandersetzung mit thematischen Elementen anleiten zu lassen. Mit dem Ziel, das Abendmahl-, Kreuzwegs- und Auferstehungsgeschehen in anschaulichen Schritten nachzuvollziehen. Am Ende gehört auch die Einladung zur Beichte zu diesem pädagogischen Konzept, das sich über die Jahre für die etwa 200 Kinder und Jugendlichen im Alter von zehn bis 13 Jahren bewährt hat.

 

"Die Gestaltung des Palmsonntags, der Chrisam-Messe, der Abendmahlfeier mit Fußwaschung, der Trauermette, der Karfreitagsliturgie sowie der Osternacht und der Ostermessen ist dem gesamten Team der Dommusik ein großes Anliegen. Dafür setzen wir aus Überzeugung viel Zeit und Kraft ein. Denn es gehört zu unserem Kerngeschäft, den zentralen Feierstunden unseres christlichen Glaubens einen ganz besonderen Rahmen zu geben und dem Leiden und Sterben Jesu ein musikalisches Gesicht", sagt Domkapellmeister Eberhard Metternich dazu. "Die Kinder und Jugendlichen erleben die Musik, die sie in diesen Tagen einstudieren, ganz anders, wenn sie vorher dazu einen emotionalen Zugang gefunden haben." Aber dafür brauche es Verstehenshilfen, betont der Pädagoge.

 

Doch auch über die Karfreitagsliturgie hinaus, bei der in jedem Jahr abwechselnd entweder der Knaben- oder der Mädchenchor die Sterbestunden Jesu Christi mit einer a-cappella-Passion darstellt - in diesem Jahr ist es der Kölner Domchor dann noch einmal mit der Johannes-Passion von Heinrich Schütz - wirken die Chöre am Dom regelmäßig in den Kar-Tagen bei Passionsmusik mit. Denn immer ist es auch eine der beiden großen Bach-Passionen in der Kölner Philharmonie, die noch zusätzlich auf ihrem Programm für die Zeit kurz vor Ostern steht. So wurde wiederholt das Vokalensemble Kölner Dom, das am nächsten Freitag unter Gürzenich-Kapellmeister François-Xavier Roth die Johannes-Passion von Bach aufführen wird, für dieses traditionelle Konzert angefragt. "Diese regelmäßigen Beteiligungen zeigen uns, dass wir gerade auf dem Gebiet der liturgischen Chormusik für Qualität stehen, die uns ein unverwechselbares Profil gibt", kommentiert Metternich, für den sowohl die Johannes- als auch die Matthäus-Passion zum abrufbaren Repertoire seiner Chöre zählt, nicht ohne Stolz diese Kooperation. Die musikalische Arbeit mit François-Xavier Roth gestalte sich dabei als ein ungemein spannender Prozess, der äußerst inspirierend und zudem ein zusätzlicher Motivationsfaktor für die Sänger sei, so der Leiter der Dommusik.

 

Aber auch der Mädchenchor am Kölner Dom unter der Leitung von Oliver Sperling gibt außerhalb der liturgischen Verpflichtungen noch ein extra Passionskonzert in der Karwoche: Am Dienstag singt er in St. Aposteln unter der Überschrift "Adoramus te, Christe" Passions- und Psalm-Motetten zur Fastenzeit mit Werken von Victoria, di Lasso und Lotti, aber auch zwei Neueinstudierungen von Brahms und eine Komposition von Sperling selbst: den Introitus zu Gründonnerstag "Nos autem gloriari opportet".

 

Die Trauermette am Gründonnerstag um 21.30 Uhr nach dem Vorbild des monastischen Nachtgebetes, das Sperling in dieser Form vor mehr als 25 Jahren mit dem damaligen Domvikar Christoph Biskupek eingeführt hat, spiegelt inhaltlich die Bitte Jesu "Bleibet hier und wachet mit mir". Ursprünglich im Mittelalter als sogenannte "Pumper-Mette" benannt, bei der nach der Komplet die Sitze im Chorgestühl mit einem lauten Knall hochgeklappt wurden, um mit Nachdruck zu demonstrieren, dass der Platz bis Karfreitag verwaist bleiben würde, oder auch als "Ölbergstunde bekannt, wird diese nächtliche Feier vom Mädchenchor - im Wechsel mit fünf Lesungstexten, wozu auch die Klagelieder des Jeremias zählen - mit Trauermotetten gefüllt: Dazu gehören die Kompositionen "Tenebrae factae sunt" von de Victoria, "Tristis est anima mea" von Giovanni Battista Martini, "O bone Jesu" von Brahms und "Unser Herz ist unruhig" von Arnold Mendelssohn.

 

In der Osternacht mit Kardinal Woelki um 21.30 Uhr ist schließlich erneut der Domchor an der Reihe. Auf seinem Programm stehen dann Motetten von Palestrina, de Victoria, Praetorius und Christian Matthias Heiß. Für den Ostersonntag, an dem der Mädchenchor das Pontifikalamt mit dem Erzbischof gestaltet und im Anschluss zur traditionellen Ostereiersuche in den erzbischöflichen Garten eingeladen ist, hat Chorleiter Oliver Sperling die "Missa Coloniensis" von Joachim Denhoff gewählt - sowie die Ostermotette "Surrexit Christus, spes mea" von Mendelssohn-Bartholdy. Domorganist Winfried Bönig läutet das feierliche Hochamt zuvor mit dem Orgelvorspiel zu "Surrexit pastor bonus" von Palestrina ein. Und am Abend treten die Mädchen dann noch einmal mit feierlichen Ostergesängen in der Chorvesper auf.

 

Den krönenden Abschluss dieser Tage, an denen die Chöre der Dommusik Hochkonjunktur haben und freiwillig auf ihre erste Ferienwoche verzichten, bildet dann am Ostermontag eine Orchestermesse. Winfried Krane, Leiter der Domkantorei Köln und der Kölner Domkapelle, dirigiert im Pontifikalamt mit Weihbischof Ansgar Puff die Messe in F-Dur von Johann Sebastian Bach. "Sie unterstreicht an einem solchen Tag einmal mehr die Festlichkeit der Liturgie", sagt er zu dieser Wahl. Den eigentlichen Höhepunkt aber hebt sich der Chorleiter für den Schluss auf. Da soll zum wichtigsten Fest der Christenheit natürlich auch der Jubel eines Händel'schen "Halleluja" nicht fehlen.

 

Den Verantwortlichen der Kölner Dommusik, den Chorleitern Metternich und Sperling, geht es darum, die jungen Sängerinnen und Sänger, die zehn Tage lang ein derart strammes Programm zu meistern haben, auch mit der Theologie der Evangelienberichte zum Leidens- und Auferstehungsgeschehen vertraut zu machen und sie in ihrem Glaubenswissen zu festigen. "Denn wenn sie am Karfreitag eine Passion singen oder am Ostersonntag eine lateinische Motette über die Freude der Auferstehung, sollen sie mit dieser Musik den eigenen Glauben reflektieren und gleichzeitig mit dem Herzen dabei sein können", argumentiert Metternich. "Wir wollen den Kindern ermöglichen, in die entscheidenden Glaubensgeheimnisse eintauchen zu können." Dafür aber müssten sie verstehen, um was es geht, ergänzt Sperling. "Der Bach Kidron, der Garten Gethsemani oder auch Golgotha werden als reale Stätten erlebbarer, wenn die Kinder sie spielerisch auf einem Stadtplan von Jerusalem selbst entdecken und mit ihrem Finger nachzeichnen." Berührt zu werden vom Kreuzweg, dem Leiden und Sterben Jesu, schaffe eine viel intensivere Erlebnisfähigkeit und wirke sich letztlich auch stark auf das musikalische Ergebnis aus. "Am Ende hat das Ganze doch mit sehr viel Emotionen zu tun", findet Sperling. Schließlich sei gerade die Passionsgeschichte eine starke Geschichte mit aufrüttelnden Bildern. "Wer hierzu einmal einen Zugang gefunden hat, kann sich sein Leben lang daran festhalten."


Beatrice Tomasetti

Kulturstiftung Kölner Dom Das Generationenprojekt 11.000 Sterne für den Kölner Dom ZENTRAL-DOMBAU-VEREIN ZU KÖLN VON 1842 DOMKLOSTER 4