Hohe Domkirche Köln, Dombauhütte; Foto: M. Bräker

Bereits acht Jahre vor seiner architektonischen Vollendung hatte ein Wettbewerb zur Innenausstattung des Domes die Diskussion um eine angemessene Fußbodenbeflurung entfacht. Realisiert wurde schließlich ein revidierter 'Generalentwurf' des Architekten August von Essenwein aus dem Jahre 1887, der für Chor und Vierung aus Gründen der besseren Haltbarkeit anstelle von Intarsien einen Boden mit Bildfeldern aus keramischen Mosaiksteinchen der Firma Villeroy & Boch vorsah. Langhaus und Querschiffe sollten einen schlichten Sandsteinbelag erhalten. Entsprechend der räumlichen Disposition des Chores umfassen die Darstellungen der Mosaiken drei große Themenkomplexe. Die Geschichte des Erzbistums, repräsentiert durch die Namen und Wappen der Kölner Bischöfe und Erzbischöfe, nimmt den gesamten Chorumgang ein. Innerhalb des Binnenchores stehen die christliche Weltordnung und der Mensch im Mittelpunkt. Die Vierung bietet ein Abbild des Kosmos. Noch zu Lebzeiten Essenweins wurden die Arbeiten dem Freiburger Glasmaler Fritz Geiges übertragen, der sie 1899 vollendete. Mit 1350 qm ist das Fußbodenmosaik das größte Kunstwerk des Domes. 
Dr. Klaus Hardering, Kunsthistoriker

Detailansichten
Hohe Domkirche Köln, Dombauhütte; Foto: Matz und Schenk
Mosaik in der Vierung

Im Mai 1891 war das große Mosaik der Vierung vollendet, das heute unter einem hölzernen Podest verborgen liegt. Dargestellt ist der Kosmos, dessen Mittelpunkt die Sonne bildet, umgeben von Personifikationen der Tageszeiten, Darstellungen der Mondphasen und einem Kranz von Tierkreiszeichen in kleinen Rundmedaillons. In den Ecken des zentralen Quadratfeldes sind Personifikationen der vier Himmelsrichtungen mit ihren zugehörigen Winden zu sehen. Hinzu gesellen sich in vier ausdrucksstarken Köpfen die menschlichen Temperamente. Als gekrönte Jünglingsgestalten erscheinen schließlich in kleinen quadratischen Bildfeldern die vier Elemente (Feuer, Wasser, Erde und Luft).

Hohe Domkirche Köln, Dombauhütte; Foto: M. Bräker
Papst

Das querrechteckige Mosaikfeld vor dem Hauptaltar zeigt in seinem zentralen Maßwerkmedaillon den Papst als Stellvertreter Christi auf Erden. Dem Betrachter in streng frontaler Haltung zugewandt, ist er in zeitloser Idealgestalt dargestellt und mit den päpstlichen Insignien ausgezeichnet. Hierzu gehören in erster Linie die mit drei Kronreifen bestückte, spitze Tiara und der doppelte Kreuzstab in seiner Linken. Seine rechte Hand hat er zum Segensgestus erhoben.

In Analogie zum Mosaikbild des Kaisers ist das Medaillon mit der Darstellung des Papstes in den Zwickeln von Personifikationen der vier Paradiesflüsse umgeben.
Dr. Klaus Hardering, Kunsthistoriker

Hohe Domkirche Köln, Dombauhütte; Foto: M. Bräker
Paradiesesflüsse, Phison
Hohe Domkirche Köln, Dombauhütte; Foto: M. Bräker
Erzbischof
Hohe Domkirche Köln, Dombauhütte; Foto: M. Bräker
Künstler

Die Darstellung des Künstlers (Opifex), die in eine Gruppe von sieben Repräsentanten der weltlichen Stände gehört, zeigt einen bärtigen Mann in einem jeweils zur Hälfte roten und weißen, mantelartigen Gewand mit einer eng anliegenden Kappe als Kopfbedeckung. In seiner Rechten hält er Zirkel und Winkel. Die Zeichnung in seiner linken Hand zeigt eine schematische Darstellung der Mosaikfelder des Domchores. Die rahmende Inschrift weist das Bild des Künstlers als ein Selbstporträt des Malers Fritz Geiges aus, der das von August von Essenwein begonnene Fußbodenmosaik des Domes zu Ende führte.
Dr. Klaus Hardering, Kunsthistoriker

Hohe Domkirche Köln, Dombauhütte; Foto: M. Bräker
Bauer
Hohe Domkirche Köln, Dombauhütte; Foto: M. Bräker
Kaiser

Im zentralen Rundmedaillon vor den Chorstufen thront als Repräsentant der weltlichen Macht der Kaiser auf einem Kastenthron in gotischen Formen; Szepter und Reichsapfel als Insignien seiner Herrschaft hält er in seinen Händen. Ihn umgibt ein Kranz von sieben kleinen Rundmedaillons mit allegorischen Frauengestalten, die durch Attribute und Beischriften als die Sieben Freien Künste ausgewiesen sind. Die Zwickel des Mosaikfeldes zeigen Personifikationen der vier großen Flüsse Europas: Tiber, Rhein, Seine und Donau. In den verschiedenen Details der Bildkomposition wird die formale Verbindung zum Papstmosaik vor dem Hochaltar deutlich.
Dr. Klaus Hardering, Kunsthistoriker

Hohe Domkirche Köln, Dombauhütte; Foto: M. Bräker
Sankt Gereon in Köln

Die Personifikation Deutschlands, mit einem Modell der Kölner Kirche St. Gereon in Händen, gehört zu einer Gruppe von acht zumeist gekrönten Frauengestalten, die auf reich verzierten Thronen sitzen und zu beiden Seiten des Kaisermosaiks die großen christlichen Nationen der alten Welt repräsentieren. Als Attribut ist ihnen jeweils ein Modell der Hauptkirche ihres Landes beigegeben.
Dr. Klaus Hardering, Kunsthistoriker

Hohe Domkirche Köln, Dombauhütte; Foto: M. Bräker
Glücksrad

Glücksraddarstellungen, die die Launenhaftigkeit des irdischen Glücks versinnbildlichen, sind seit dem Mittelalter bekannt. Sie zeigen zumeist den Aufstieg und Fall eines Königs, der durch das von Fortuna angetriebene Rad zunächst emporgehoben wird, dann aber ins Straucheln gerät und schließlich stürzt. Das Kölner Glücksrad wird von dem jugendlichen Mann unten links mit aller Kraft in Gang gesetzt, eine Inschrift im Mittelpunkt des Rades verweist jedoch auf die Anwesenheit Gottes. Von einer Speiche emporgetragen, genießt der zu Reichtum Gelangte, auf dem Rad thronend, das Hochgefühl des Glücks. Doch schon eine weitere Drehung des Rades läßt ihn hinabstürzen. Nachdenklich bleibt er am Ende zurück.
Dr. Klaus Hardering, Kunsthistoriker

Hohe Domkirche Köln, Dombauhütte; Foto: M. Bräker
Mannesalter
Hohe Domkirche Köln, Dombauhütte; Foto: M. Bräker
Saturn
Hohe Domkirche Köln, Dombauhütte; Foto: Matz und Schenk
Zeit
Hohe Domkirche Köln, Dombauhütte; Foto: Matz und Schenk
Tag
Hohe Domkirche Köln, Dombauhütte; Foto: M. Bräker
Hildebold

Das erste Mosaik hinter dem nördlichen Eingang des Chores eröffnet den Katalog der Kölner Bischöfe, der sich über die gesamte Länge des Chorumgangs erstreckt. Im äußeren Rahmen des zentralen Bildmedaillons sind, beginnend mit dem Petrusschüler Maternus, der als Begründer des Kölner Bistums gilt, in kleinen Rundmedaillons die Namen der ersten 25 Bischöfe und Erzbischöfe von Köln festgehalten. Das Bildfeld in der Mitte zeigt Erzbischof Hildebald, der in der Vorstellung des 19. Jahrhunderts als Bauherr des alten Domes galt und daher mit einem Modell des karolingischen Dombaus dargestellt ist.
Dr. Klaus Hardering, Kunsthistoriker

Bald nach seiner Amtseinsetzung in Köln wurde Erzbischof Hildebald (Hildebold) Vorsteher der Hofkapelle Karls des Großen und damit einer der engsten Vertrauten des Frankenherrschers. Die Erhebung seines Bistums Köln zum Erzbistum, das von Karl dem Großen in seinem Testament 'eleganteste Braut Christi nach Rom' genannt wird, fällt in seine Regierungszeit. Köln war damals schon zu einer bedeutenden Metropole eines großen Kirchensprengels aufgestiegen und konnte sich vieler Kirchen und Reliquien rühmen. Zur Kirchenprovinz Köln zählten damals die Suffraganbistümer Lüttich, Utrecht, Münster, Osnabrück, Minden und zeitweise auch Bremen. Früher wurde - wohl zu unrecht angenommen - das Hildebald Erbauer des karolingischen 'Alten Doms' war. Sicher geht auf Hildebald die bedeutende Kölner Dombibliothek, von der 13 Bände noch erhalten sind, zurück. Hildebald wurde früher gelegentlich als Heiliger verehrt.
 

Mosaik in der Vierung
Papst
Paradiesesflüsse, Phison
Erzbischof
Künstler
Bauer
Kaiser
Sankt Gereon in Köln
Glücksrad
Mannesalter
Saturn
Zeit
Tag
Hildebold