Der Schrein der Heiligen Drei Könige ist das größte, künstlerisch bedeutendste und inhaltlich anspruchsvollste Reliquiar des Mittelalters.
Hohe Domkirche Köln, Dombauhütte; Foto: Matz und Schenk
Die Reliefs und der ornamentale Schmuck der Rückseite des Schreines entstanden als Abschluß der gesamten Arbeit um 1220. Sie sind das Werk maasländischer Goldschmiede. Die Gliederung zeigt, daß das architektonische Konzept aus dem Gedanken von zwei nebeneinander- und einem darübergestellten Schrein entwickelt wurde. Thema des Erdgeschosses ist, in Fortführung des nicht mehr vorhandenen Christuszyklus auf den unteren Dachschrägen, die Passion Christi. Das obere Giebelfeld zeigt, ebenfalls als Ergänzung des verlorenen Apokalypsezyklus auf den oberen Dachflächen, die Märtyrerkrönung von Felix und Nabor durch den himmlischen Christus.
Dr. Rolf Lauer, Kunsthistoriker
Detailansichten
Hohe Domkirche Köln, Dombauhütte; Foto: Matz und Schenk
Geißelung

Wie auch bei der rechts folgenden Kreuzigung hat der Goldschmied eine in anderem Format gehaltene Vorlage der Kleeblattarkade angepaßt und verändert. Motivisch gehören die beiden trauernden Engel in den Kreissegmenten über der Arkade eigentlich zur Kreuzigungsszene. Aus Günden der Symmetrie wurden sie in diese Szene gesetzt, parallel zu Sonne und Mond bei der Kreuzigung. Geschickt hat der Künstler aber die seitlichen Arkaden ausgenutzt, um die Bewegung der beiden Schergen zu dynamisieren. Die bis zur Karikatur verzerrten Gesichtszüge der Henker zeigen noch die stilistische Herkunft aus der physiognomischen Gestaltungskraft der Propheten des Nikolaus von Verdun.
Dr. Rolf Lauer, Kunsthistoriker

Das Evangelium nach Markus 15, 15
Darauf ließ Pilatus, um die Menge zufriedenzustellen, Barabbas frei und gab den Befehl, Jesus zu geißeln und zu kreuzigen.

Hohe Domkirche Köln, Dombauhütte; Foto: Matz und Schenk
Kreuzigung

Die Kreuzigung Christi ist unter einer Kleeblattarkade dargestellt. Die Arme Christi werden durch die Köpfe von Maria und Johannes überschnitten, das Kreuz fehlt ganz. Möglicherweise hat der Künstler hier eine Vorlage in anderem Format benutzt, die er, um sie in die Arkade einzupassen, zusammendrängen mußte. Auch die sonst über den Kreuzbalken angebrachten Symbole von Sonne und Mond sind in eigenen Segmentbögen über der Kreuzigungsarkade dargestellt. Obwohl die Kreuzigungsszene dreißig Jahre nach den Langseitenpropheten des Nikolaus von Verdun entstanden ist, zeigt sich in den antikisch fließenden Gewändern und der Körperlichkeit der Figuren noch die Wirkung seines Stils.
Dr. Rolf Lauer, Kunsthistoriker

Das Evangelium nach Johannes 19, 17-30
Er trug sein Kreuz und ging hinaus zur sogenannten Schädelhöhe, die auf hebräisch Golgota heißt.
Dort kreuzigten sie ihn und mit ihm zwei andere, auf jeder Seite einen, in der Mitte Jesus.
Pilatus ließ auch ein Schild anfertigen und oben am Kreuz befestigen; die Inschrift lautete: Jesus von Nazaret, der König der Juden.
Dieses Schild lasen viele Juden, weil der Platz, wo Jesus gekreuzigt wurde, nahe bei der Stadt lag. Die Inschrift war hebräisch, lateinisch und griechisch abgefaßt.
Die Hohenpriester der Juden sagten zu Pilatus: Schreib nicht: Der König der Juden, sondern daß er gesagt hat: Ich bin der König der Juden.
Pilatus antwortete: Was ich geschrieben habe, habe ich geschrieben.
Nachdem die Soldaten Jesus ans Kreuz geschlagen hatten, nahmen sie seine Kleider und machten vier Teile daraus, für jeden Soldaten einen. Sie nahmen auch sein Untergewand, das von oben her ganz durchgewebt und ohne Naht war.
Sie sagten zueinander: Wir wollen es nicht zerteilen, sondern darum losen, wem es gehören soll. So sollte sich das Schriftwort erfüllen: Sie verteilten meine Kleider unter sich und warfen das Los um mein Gewand. Dies führten die Soldaten aus.
Bei dem Kreuz Jesu standen seine Mutter und die Schwester seiner Mutter, Maria, die Frau des Klopas, und Maria von Magdala.
Als Jesus seine Mutter sah und bei ihr den Jünger, den er liebte, sagte er zu seiner Mutter: Frau, siehe, dein Sohn!
Dann sagte er zu dem Jünger: Siehe, deine Mutter! Und von jener Stunde an nahm sie der Jünger zu sich.
Danach, als Jesus wußte, daß nun alles vollbracht war, sagte er, damit sich die Schrift erfüllte: Mich dürstet.
Ein Gefäß mit Essig stand da. Sie steckten einen Schwamm mit Essig auf einen Ysopzweig und hielten ihn an seinen Mund.
Als Jesus von dem Essig genommen hatte, sprach er: Es ist vollbracht! Und er neigte das Haupt und gab seinen Geist auf.
 

Hohe Domkirche Köln, Dombauhütte; Foto: Matz und Schenk
Märtyrerkrönung

Im Schrein sind nicht nur die Gebeine der Heiligen Drei Könige und die des Hl. Gregor von Spoleto, sondern auch die der beiden Märtyrer Felix und Nabor beigesetzt, die ebenfalls durch Erzbischof Rainald von Dassel 1164 nach Köln gebracht worden waren. Die Märtyrerkrönung der beiden Kriegerheiligen durch den himmlischen Christus zeigt das obere Giebelfeld. Es nimmt somit Bezug auf das Giebelfeld der Vorderseite, in dem das Weltgericht zu sehen ist. Die Blutzeugen Christi erhalten nach dem Gericht den himmlischen Lohn. In den Kreissegmenten über der Kleeblattarkade sind als Halbfiguren die christlichen Kardinaltugenden Glaube, Hoffnung und Liebe dargestellt, die die Heiligen auszeichnen.
Dr. Rolf Lauer, Kunsthistoriker

Hohe Domkirche zu Köln, Dombauhütte; Foto: Matz und Schenk
Rainald von Dassel

Im dreieckigen Feld zwischen dem Erdgeschoß und dem Abschlußgiebel der Rückseite ist die plastische Halbfigur eines Bischofs mit Mitra eingesetzt. Sie stellt Erzbischof Rainald von Dassel dar, der im Jahre 1164 die Gebeine der Heiligen Drei Könige als Kriegsbeute aus Mailand nach Köln übertrug und damit Köln zu einem der bedeutendsten Wallfahrtsorte des Mittelalters erhob. Die Figur scheint nicht vollendet worden zu sein, so fehlen dem Erzbischof die Arme. Möglicherweise sollte sie an einer anderen Stelle des Schreines angebracht werden, mußte aber wegen der Umplanung nach der Stiftung Ottos IV. im Jahre 1200 an die heutige Stelle versetzt werden.
Dr. Rolf Lauer, Kunsthistoriker

Erzbischof Rainald von Dassel
Erzbischof Rainald von Dassel war Reichskanzler Friedrichs I. und unerbittlicher Verfechter der Reichsrechte gegenüber dem Papst. Durch seine vielfältigen Aufgaben im Reich konnte er insgesamt nicht einmal ein Jahr in Köln verbringen. Das Kölner Erzstift verdankt ihm aber dennoch die Schenkung der Reichshöfe Andernach, Eckenhagen und die Burg Rheineck, vor allem aber die Gebeine der heiligen drei Könige, die ihm vom Kaiser nach der Zerstörung Mailands geschenkt wurden und die er in den Kölner Dom bringen ließ. Rainald wurde von Zeitgenossen wegen seiner Bildung und Güte aufs höchste gelobt. Er starb 1167 in Rom an der Malaria.

Geißelung
Kreuzigung
Märtyrerkrönung
Rainald von Dassel