Im Binnenchor des Kölner Domes steht mit seinen 104 Sitzen eines der größten erhaltenen mittelalterlichen Chorgestühle.
Hohe Domkirche Köln, Dombauhütte; Foto: J. Rumbach

Die vom Hochaltar aus gesehen rechte Seite, die Nordseite, galt als die höherwertigere Seite des Chorgestühls. Der Ehrenplatz am östlichen Ende der oberen Gestühlsreihe war dem Papst vorbehalten, der neben dem Deutschen König oder Kaiser ein geborenes Mitglied des Kölner Domkapitels war. Da der Papst im Mittelalter selbst niemals in dem Gestühl saß, stand in der Nische für seinen Faltstuhl ein Konsolpfeiler mit einer Figur des hl. Papstes Silvester als Stellvertreterbild. Der Kölner Dom war im Besitz einer Silvesterreliquie.
Matthias Deml, Kunsthistoriker

Der schläfrige Chorknabe

Ein Chorknabe schlief während der Abendmesse ein und erwachte erst spät in der Nacht. Der Dom war bereits abgeschlossen und so mußte er dort bis zum Morgen ausharren. Punkt Mitternacht ertönte ein Meßglöckchen und ein Priester erschien, der offensichtlich Messe halten wollte. Da kein weiterer Meßdiener zu sehen war, diente der Chorknabe dem unbekannten Priester während der Messe. Im Anschluß an die Messe dankte der Priester Gott, daß er nunmehr erlöst sei und eröffnete dem Chorknaben, daß er bereits hundert Jahre auf ihn gewartet habe. Von nun an verließ den Chorknaben das Glück nie wieder. Er wurde Domküster und starb erst in hohem Alter.
 

Sagen & Legenden
Detailansichten
Hohe Domkirche Köln, Dombauhütte; Foto: Matz und Schenk
Mönch und Musikerin

Der Wangenzwickel ist gefüllt mit der Darstellung einer sitzenden Musikerin. Die junge Frau spielt unter einer Vorhangdraperie auf einer Geige. Zu ihren Füßen sitzt, als Knauf, ein Mönch, der in einem Buch liest. Für diese Szene existieren zwei Interpretationen. Es könnte sich um eine Personifikation der Musik handeln, die kombiniert ist mit einem Mönch, der Noten liest. Eine andere Deutung ist unter Berücksichtigung der östlichen Wangenhälfte, auf der die Musik und die Grammatik der sieben 'artes liberales' wiedergegeben sind, möglich. In diesem Fall würde es sich um die Ausführung von zwei dieser artes - also Lesen und Musizieren - handeln.
Dr. Marc Steinmann, Kunsthistoriker

Hohe Domkirche Köln, Dombauhütte; Foto: Matz und Schenk
Kampf Samsons mit dem Löwen

Der Knauf zeigt eine von insgesamt vier Darstellungen des Kampfes zwischen Samson und dem Löwen im Chorgestühl. Der langhaarige Samson reißt dem fast wehrlos erscheinenden Löwen das Maul auf. Der Löwenkampf ist als Sinnbild für den Sieg Christi über Tod und Teufel zu verstehen. Dies ist eine der im Mittelalter beliebten Typologien. Das Alte Testament wird als Vor-Bild für das Neue Testament gedeutet.
Dr. Marc Steinmann, Kunsthistoriker

Hohe Domkirche Köln, Dombauhütte; Foto: Matz und Schenk
Küssendes Paar

Der Knauf zeigt ein engumschlungenes Paar. Der Mann mit einer Haube und einem Mantel bekleidet, küßt die Frau, die ein Kapuzengewand trägt, auf das Kinn. Die beiden sind nicht das einzige Liebespaar im Chorgestühl. Die häufige Verwendung dieses Motivs kann als Darstellung der sündigen Versuchung zum Laster und zur Unkeuschheit verstanden werden.
Dr. Marc Steinmann, Kunsthistoriker

Hohe Domkirche Köln, Dombauhütte; Foto: Matz und Schenk
Denker

Auf diesem Knauf sitzen ein Mann und eine Frau, von der auf der vorliegenden Abbildung nur der Hinterkopf sichtbar ist, mit den Rücken aneinandergelehnt. Beide tragen Kapuzenmäntel. Sie hat ihr sorgenvolles Gesicht in die aufgestützte Hand gelegt. Der Mann greift sich gedankenverloren in seinen langen Bart. Dem ikonographischen Programm des Chorgestühls liegt die zeitgenössische scholastische Denkweise zugrunde, daß der Mensch mit Hilfe von Reue, Einsicht und Buße die Vergebung seiner Sünden erlangen kann. Dies setzt ein Überdenken und Erkennen der Sündhaftigkeit des eigenen Handelns voraus.
Dr. Marc Steinmann, Kunsthistoriker

Hohe Domkirche Köln, Dombauhütte; Foto: Matz und Schenk
Tanz und Würfelspieler

Im linken Vierpaß tanzt eine junge Frau zu den Klängen einer Fidel, die ein junger Mann spielt. Hier könnte das Laster der Luxuria (Zügellosigkeit) ins Bild gesetzt worden sein. Im rechten Vierpaß sind sich zwei Würfelspieler in die Haare geraten. Sie stellen ein Beispiel für das Laster der Discordia (Zwietracht) dar. Die Kombination von Tanz- und Streitszene findet sich im Chorgestühl noch einmal auf einem weiteren Vierpaßbrett.
Dr. Marc Steinmann, Kunsthistoriker

Hohe Domkirche Köln, Dombauhütte; Foto: Matz und Schenk
Tänzerin (1)

Die dreieckige Grundform der Konsole wird geschickt gefüllt mit einer Tänzerin, die ihre erhobenen Arme ausbreitet und ein Tuch in den Händen hält.
Dr. Marc Steinmann, Kunsthistoriker

Hohe Domkirche Köln, Dombauhütte; Foto: Matz und Schenk
Tänzerin (2)

Eine von den zahlreichen Darstellungen des Tanzens im Chorgestühl. Der Tanz stellte nach mittelalterlicher Vorstellung eine der Gefahrenquellen für das Seelenheil der Menschen dar.
Dr. Marc Steinmann, Kunsthistoriker

Hohe Domkirche Köln, Dombauhütte; Foto: Matz und Schenk
Gauklerin

Vor zwei großen, gewellten Eichenblättern balanciert eine junge Frau auf den Händen und hat ihre Beine über dem Kopf abgewinkelt. Verwandt ist diese Tänzerin oder Gauklerin Darstellungen der tanzenden Salome.
Dr. Marc Steinmann, Kunsthistoriker

Hohe Domkirche Köln, Dombauhütte; Foto: Matz und Schenk
Sitzendes Paar

Stellen Paare am Chorgestühl häufig Laster dar, so kann dagegen in diesem sitzenden Paar eine Personifikation der Concordia (Eintracht, Harmonie) gesehen werden. Einträchtig hat der Mann seinen linken Arm um die Frau gelegt. Seine rechte Hand ruht auf ihrem Knie und wird von ihrer linken Hand bedeckt. Ihre rechte Hand ist auf seine Schulter gelegt.
Dr. Marc Steinmann, Kunsthistoriker

Hohe Domkirche Köln, Dombauhütte; Foto: Matz und Schenk
Kopfkonsole

Statt einer Blattmaske dient das in ein Kopftuch eingebettete Gesicht als Füllung der Konsole.
Dr. Marc Steinmann, Kunsthistoriker

Hohe Domkirche Köln, Dombauhütte; Foto: Matz und Schenk
Sitolaspielerin

Eine der vielen Darstellungen, in denen Musik eine Rolle spielt. Eine eindeutige Interpretation des vorliegenden Beispiels ist nicht möglich.
Dr. Marc Steinmann, Kunsthistoriker

Hohe Domkirche Köln, Dombauhütte; Foto: Matz und Schenk
Arztszene

Ein Mann mit schmerzverzerrtem Gesicht beugt sich vor, damit ein bärtiger Arzt das halb entblößte Gesäß untersuchen kann. Parodiert wird diese Arztszene auf den Vierpässen der gleichen Stalle. Dort ist neben einem liebeskranken Paar ein Affe mit einer Phiole in der Hand zu sehen. Er untersucht eine Eule, indem er ihr seine Hand auf ihre Brust legt, um den Puls zu fühlen.
Dr. Marc Steinmann, Kunsthistoriker

Mönch und Musikerin
Kampf Samsons mit dem Löwen
Küssendes Paar
Denker
Tanz und Würfelspieler
Tänzerin (1)
Tänzerin (2)
Gauklerin
Sitzendes Paar
Kopfkonsole
Sitolaspielerin
Arztszene