© Hohe Domkirche Köln, Dombauhütte Köln, Foto: Glaswerkstatt / Montage: Marko Seeber

Das zweibahnige Bibelfenster in der Stephanuskapelle führt dem Betrachter in einer Folge aufeinander abgestimmter Bildpaaren die heilsgeschichtliche Verknüpfung des Alten und des Neuen Testamentes vor Augen. Die Bildmedaillons der rechten neutestamentlichen Bahn zeigen die Heilsgeschichte von der Verkündigung an Maria bis zum Pfingstgeschehen. Die Medaillons sind von einem Rankengeflecht umgeben, in dem Köpfe von Propheten und königlichen Ahnen Christi erscheinen. Den christologischen Szenen stehen in der linken Bahn ausgewählte Ereignisse des Alten Testamentes, sogenannte ‘typologische’ Bilder, gegenüber.

Das jüngere Bibelfenster gehört nicht von alters her in den Dom. Es wurde um 1280 für den neuen Chor der Kölner Dominikanerkirche gestiftet. Die Stifter waren der berühmte mittelalterliche Theologe Albertus Magnus und der Kölner Erzbischof Siegfried von Westerburg. 1804 wurde die Dominikanerkirche im Zuge der Säkularisierung abgerissen. Einige ihrer Glasmalereien gelangten 1823 in den Dom, darunter das Bibelfenster. Es wurde aber erst 1892 in der Stephanuskapelle eingesetzt. Nicht alle mittelalterlichen Bildfelder waren erhalten, deshalb wurden damals einige Medaillons in der Kölner Glaswerkstatt Schneiders & Schmolz neu geschaffen.

‘Typós’, griechisch, bedeutet ‘Urbild, Abbild’. Die typologische Bibelauslegung, die schon bei Paulus zu finden ist, setzt die heilsgeschichtliche Einheit beider Testamente voraus. Das Neue Testament wird als Erfüllung dessen gedeutet, was im AltenTesament bereits angekündigt ist. So werden Personen oder Ereignisse des Alten Bundes (‘Typen’, ‘Präfigurationen’) auf Christus und das Erlösungsgeschehen des Neuen Bundes (‘Antitypen’) bezogen und als von Gott gesetzte Zeichen für die kommenden Heilsereignisse gedeutet.
Dr. Ulrike Brinkmann, Kunsthistorikerin
Detailansichten
Hohe Domkirche Köln, Dombauhütte
Gideon mit dem Vlies / Verkündigung an Maria

Die Verkündigung der Geburt Christi leitet die neutestamentliche Bilderreihe ein. Maria sitzt auf einem geschmückten Thron und empfängt den Engel in königlicher Würde. Aus dem Himmel fährt der Heilige Geist in Gestalt einer Taube zu ihr herab.

Das alttestamentliche Gegenbild zeigt den biblischen Held Gideon, dem Gott ein Zeichen gibt: Ein Vlies (Fell), das über Nacht ausgebreitet wird, bleibt von dem Tau, der ringsumher gefallen ist, unbenetzt. Das himmlische Tauwunder wird schon von den Kirchenvätern mit dem Wunder der jungfräulichen Geburt Christi verglichen. Das Medaillon wurde 1892 geschaffen.
Dr. Ulrike Brinkmann, Kunsthistorikerin

Das Buch der Richter 6, 36-40
Da sagte Gideon zu Gott: Wenn du Israel wirklich durch meine Hand retten willst, wie du gesagt hast!
Sieh her, ich lege frisch geschorene Wolle auf die Tenne; wenn der Tau allein auf die Wolle fällt und es auf dem ganzen (übrigen) Boden trocken bleibt, dann weiß ich, daß du durch meine Hand Israel retten willst, wie du gesagt hast. Und so geschah es. Als er früh am Morgen hinkam und die Wolle ausdrückte, konnte er den Tau - eine Schale voll Wasser - aus der Wolle herauspressen. Darauf sagte Gideon zu Gott: Dein Zorn möge nicht gegen mich entbrennen, wenn ich noch einmal rede. Ich möchte es nur noch dieses eine Mal mit der Wolle versuchen: Die Wolle allein soll dieses Mal trocken bleiben, und auf dem ganzen (übrigen) Boden soll Tau liegen. Und Gott machte es in der folgenden Nacht so: Die Wolle allein blieb trocken, und auf dem ganzen übrigen Boden lag Tau.

Das Evangelium nach Lukas 1, 26 - 38
Im sechsten Monat wurde der Engel Gabriel von Gott in eine Stadt in Galiläa namens Nazaret
zu einer Jungfrau gesandt. Sie war mit einem Mann namens Josef verlobt, der aus dem Haus David stammte. Der Name der Jungfrau war Maria.
Der Engel trat bei ihr ein und sagte: Sei gegrüßt, du Begnadete, der Herr ist mit dir.
Sie erschrak über die Anrede und überlegte, was dieser Gruß zu bedeuten habe.
Da sagte der Engel zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria; denn du hast bei Gott Gnade gefunden.
Du wirst ein Kind empfangen, einen Sohn wirst du gebären: dem sollst du den Namen Jesus geben.
Er wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden. Gott, der Herr, wird ihm den Thron seines Vaters David geben.
Er wird über das Haus Jakob in Ewigkeit herrschen, und seine Herrschaft wird kein Ende haben.
Maria sagte zu dem Engel: Wie soll das geschehen, da ich keinen Mann erkenne?
Der Engel antwortete ihr: Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten. Deshalb wird auch das Kind heilig und Sohn Gottes genannt werden. Auch Elisabet, deine Verwandte, hat noch in ihrem Alter einen Sohn empfangen; obwohl sie als unfruchtbar galt, ist sie jetzt schon im sechsten Monat.
Denn für Gott ist nichts unmöglich.
Da sagte Maria: Ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast. Danach verließ sie der Engel.

Hohe Domkirche Köln, Dombauhütte
Der brennende Dornbusch / Geburt Christi

Maria ruht auf einem Lager, neben sich die Krippe mit dem Christuskind. Am Fuß der Krippe sitzt Josef. Hinter der Krippe sind Ochs und Esel zu sehen, darüber zwei Engel. Von oben scheint der Stern von Bethlehem herab.

Das alttestamentliche Gegenbild zeigt die Berufung des Mose zum Führer des Volkes Israel. Als Mose Schafe hütet, erscheint ihm Gottvater in einem brennenden Dornbusch. Der Dornbusch, der brennt, aber dennoch nicht von den Flammen verzehrt wird, ist ein altes Sinnbild für die immerwährende Jungfräulichkeit der Gottesmutter Maria. Deshalb wählte man diese Szene als Parallelbild zur Geburt Christi.
Dr. Ulrike Brinkmann, Kunsthistorikerin

Das Buch Exodus 3, 1-5
Mose weidete die Schafe und Ziegen seines Schwiegervaters Jitro, des Priesters von Midian. Eines Tages trieb er das Vieh über die Steppe hinaus und kam zum Gottesberg Horeb.
Dort erschien ihm der Engel des Herrn in einer Flamme, die aus einem Dornbusch emporschlug. Er schaute hin: Da brannte der Dornbusch und verbrannte doch nicht.
Mose sagte: Ich will dorthin gehen und mir die außergewöhnliche Erscheinung ansehen. Warum verbrennt denn der Dornbusch nicht?
Als der Herr sah, daß Mose näher kam, um sich das anzusehen, rief Gott ihm aus dem Dornbusch zu: Mose, Mose! Er antwortete: Hier bin ich.
Der Herr sagte: Komm nicht näher heran! Leg deine Schuhe ab; denn der Ort, wo du stehst, ist heiliger Boden.

Das Evangelium nach Lukas 2, 1-20
In jenen Tagen erließ Kaiser Augustus den Befehl, alle Bewohner des Reiches in Steuerlisten einzutragen.
Dies geschah zum erstenmal; damals war Quirinius Statthalter von Syrien.
Da ging jeder in seine Stadt, um sich eintragen zu lassen.
So zog auch Josef von der Stadt Nazaret in Galiläa hinauf nach Judäa in die Stadt Davids, die Betlehem heißt; denn er war aus dem Haus und Geschlecht Davids.
Er wollte sich eintragen lassen mit Maria, seiner Verlobten, die ein Kind erwartete.
Als sie dort waren, kam für Maria die Zeit ihrer Niederkunft, und sie gebar ihren Sohn, den Erstgeborenen. Sie wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe, weil in der Herberge kein Platz für sie war.
In jener Gegend lagerten Hirten auf freiem Feld und hielten Nachtwache bei ihrer Herde.
Da trat der Engel des Herrn zu ihnen, und der Glanz des Herrn umstrahlte sie. Sie fürchteten sich sehr, der Engel aber sagte zu ihnen: Fürchtet euch nicht, denn ich verkünde euch eine große Freude, die dem ganzen Volk zuteil werden soll:
Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren; er ist der Messias, der Herr.
Und das soll euch als Zeichen dienen: Ihr werdet ein Kind finden, das, in Windeln gewickelt, in einer Krippe liegt.
Und plötzlich war bei dem Engel ein großes himmlisches Heer, das Gott lobte und sprach:
Verherrlicht ist Gott in der Höhe, und auf Erden ist Friede bei den Menschen seiner Gnade.
Als die Engel sie verlassen hatten und in den Himmel zurückgekehrt waren, sagten die Hirten zueinander: Kommt, wir gehen nach Betlehem, um das Ereignis zu sehen, das uns der Herr verkünden ließ.
So eilten sie hin und fanden Maria und Josef und das Kind, das in der Krippe lag.
Als sie es sahen, erzählten sie, was ihnen über dieses Kind gesagt worden war.
Und alle, die es hörten, staunten über die Worte der Hirten.
Maria aber bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen und dachte darüber nach.
Die Hirten kehrten zurück, rühmten Gott und priesen ihn für das, was sie gehört und gesehen hatten; denn alles war so gewesen, wie es ihnen gesagt worden war.

Hohe Domkirche Köln, Dombauhütte
Besuch der Königin von Saba / Anbetung der Könige

Die Heiligen Drei Könige sind nach Bethlehem gekommen, um den neugeborenen Heiland zu verehren. Der älteste König kniet vor Maria und dem Christusknaben und hält ihnen einen mit Goldstücken gefüllten Pokal entgegen. Auch die anderen Könige tragen Goldpokale.

Das alttestamentliche Parallelbild zeigt den Besuch der Königin von Saba bei König Salomo. Sie will sich von seiner großen Weisheit und seinem unerschöpflichen Reichtum überzeugen. Hinter ihr stehen Dienerinnen, die kostbare Geschenke tragen. Daß der Kopf der Königin und der einer Hofdame aus blauem Glas geschnitten sind, soll ihre dunkle Hautfarbe symbolisieren.
Dr. Ulrike Brinkmann, Kunsthistorikerin

Das erste Buch der Könige 10, 1-10
Die Königin von Saba hörte vom Ruf Salomos und kam, um ihn mit Rätselfragen auf die Probe zu stellen. Sie kam nach Jerusalem mit sehr großem Gefolge, mit Kamelen, die Balsam, eine gewaltige Menge Gold und Edelsteine trugen, trat bei Salomo ein und redete mit ihm über alles, was sie sich vorgenommen hatte. Salomo gab ihr Antwort auf alle Fragen. Es gab nichts, was dem König verborgen war und was er ihr nicht hätte sagen können.Als nun die Königin von Saba die ganze Weisheit Salomos erkannte, als sie den Palast sah, den er gebaut hatte, die Speisen auf seiner Tafel, die Sitzplätze seiner Beamten, das Aufwarten der Diener und ihre Gewänder, seine Getränke und sein Opfer, das er im Haus des Herrn darbrachte, da stockte ihr der Atem. Sie sagte zum König: Was ich in meinem Land über dich und deine Weisheit gehört habe, ist wirklich wahr. Ich wollte es nicht glauben, bis ich nun selbst gekommen bin und es mit eigenen Augen gesehen habe. Und wahrlich, nicht einmal die Hälfte hat man mir berichtet; deine Weisheit und deine Vorzüge übertreffen alles, was ich gehört habe. Glücklich sind deine Männer, glücklich diese deine Diener, die allezeit vor dir stehen und deine Weisheit hören. Gepriesen sei Jahwe, dein Gott, der an dir Gefallen fand und dich auf den Thron Israels setzte. Weil Jahwe Israel ewig liebt, hat er dich zum König bestellt, damit du Recht und Gerechtigkeit übst.

Sie gab dem König hundertzwanzig Talente Gold, dazu eine sehr große Menge Balsam und Edelsteine. Niemals mehr kam so viel Balsam in das Land, wie die Königin von Saba dem König Salomo schenkte.

Das Evangelium nach Matthäus 2, 1-12
Als Jesus zur Zeit des Königs Herodes in Betlehem in Judäa geboren worden war, kamen Sterndeuter aus dem Osten nach Jerusalem und fragten:
Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind gekommen, um ihm zu huldigen.
Als König Herodes das hörte, erschrak er und mit ihm ganz Jerusalem.
Er ließ alle Hohenpriester und Schriftgelehrten des Volkes zusammenkommen und erkundigte sich bei ihnen, wo der Messias geboren werden solle.
Sie antworteten ihm: In Betlehem in Judäa; denn so steht es bei dem Propheten:
Du, Betlehem im Gebiet von Juda, bist keineswegs die unbedeutendste unter den führenden Städten von Juda; denn aus dir wird ein Fürst hervorgehen, der Hirt meines Volkes Israel.
Danach rief Herodes die Sterndeuter heimlich zu sich und ließ sich von ihnen genau sagen, wann der Stern erschienen war.
Dann schickte er sie nach Betlehem und sagte: Geht und forscht sorgfältig nach, wo das Kind ist; und wenn ihr es gefunden habt, berichtet mir, damit auch ich hingehe und ihm huldige.
Nach diesen Worten des Königs machten sie sich auf den Weg. Und der Stern, den sie hatten aufgehen sehen, zog vor ihnen her bis zu dem Ort, wo das Kind war; dort blieb er stehen.
Als sie den Stern sahen, wurden sie von sehr großer Freude erfüllt.
Sie gingen in das Haus und sahen das Kind und Maria, seine Mutter; da fielen sie nieder und huldigten ihm. Dann holten sie ihre Schätze hervor und brachten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe als Gaben dar.
Weil ihnen aber im Traum geboten wurde, nicht zu Herodes zurückzukehren, zogen sie auf einem anderen Weg heim in ihr Land.

Hohe Domkirche Köln, Dombauhütte
Naamans Bad im Jordan / Taufe Christi

Christus steht im Jordan. Johannes der Täufer legt ihm segnend die Hand auf, während ein Engel ein großes Tuch bereit hält. Vom Himmel fliegt die Taube des Heiligen Geistes auf Christus herab.

Das alttestamentliche Gegenbild zeigt den aramäischen Feldhauptmann Naaman, der mit schwerem Aussatz geschlagen ist. Auf Rat des Propheten Elischa taucht er sich siebenmal in den Jordan. Daraufhin wird Naaman von seinem Aussatz befreit und preist den Gott Israels als den einzigen Gott.
Dr. Ulrike Brinkmann, Kunsthistorikerin

Das zweite Buch der Könige 5, 9-14
So kam Naaman mit seinen Pferden und Wagen und hielt vor dem Haus Elischas. Dieser schickte einen Boten zu ihm hinaus und ließ ihm sagen: Geh und wasch dich siebenmal im Jordan! Dann wird dein Leib wieder gesund, und du wirst rein.Doch Naaman wurde zornig. Er ging weg und sagte: Ich dachte, er würde herauskommen, vor mich hintreten, den Namen Jahwes, seines Gottes, anrufen, seine Hand über die kranke Stelle bewegen und so den Aussatz heilen. Sind nicht der Abana und der Parpar, die Flüsse von Damaskus, besser als alle Gewässer Israels? Kann ich nicht dort mich waschen, um rein zu werden? Voll Zorn wandte er sich ab und ging weg. Doch seine Diener traten an ihn heran und redeten ihm zu: Wenn der Prophet etwas Schweres von dir verlangt hätte, würdest du es tun; wieviel mehr jetzt, da er zu dir nur gesagt hat: Wasch dich, und du wirst rein. So ging er also zum Jordan hinab und tauchte siebenmal unter, wie ihm der Gottesmann befohlen hatte. Da wurde sein Leib gesund wie der Leib eines Kindes, und er war rein.

Das Evangelium nach Matthäus 3, 13-17
Zu dieser Zeit kam Jesus von Galiläa an den Jordan zu Johannes, um sich von ihm taufen zu lassen.
Johannes aber wollte es nicht zulassen und sagte zu ihm: Ich müßte von dir getauft werden, und du kommst zu mir?
Jesus antwortete ihm: Laß es nur zu! Denn nur so können wir die Gerechtigkeit (die Gott fordert) ganz erfüllen. Da gab Johannes nach.
Kaum war Jesus getauft und aus dem Wasser gestiegen, da öffnete sich der Himmel, und er sah den Geist Gottes wie eine Taube auf sich herabkommen.
Und eine Stimme aus dem Himmel sprach: Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen gefunden habe.

Hohe Domkirche Köln, Dombauhütte
Abraham und Melchisedek / Abendmahl Christi

Das letzte Abendmahl Christi im Kreise seiner Jünger leitet die Passion ein. Neben Christus sitzen die Apostelfürsten Petrus und Paulus, an seiner Brust liegt sein Lieblingsjünger Johannes. Judas sitzt im Vordergrund und nimmt von Christus den Bissen entgegen, der ihn als den Verräter des Gottessohnes ausweist.

Das alttestamentliche Gegenbild ist die Begegnung zwischen Abraham und Melchisedech, dem Priesterkönig von Salem. Als Abraham von einer siegreichen Schlacht zurückkehrt, trägt ihm Melchisedek Brot und Wein entgegen. Schon die Kirchenväter sehen in diesen Gaben eine alttestamentliche Parallele zum eucharistischen Opfer.
Dr. Ulrike Brinkmann, Kunsthistorikerin

Das Buch Genesis 14, 18-20
Melchisedek, der König von Salem, brachte Brot und Wein heraus. Er war Priester des Höchsten Gottes.
Er segnete Abram und sagte: Gesegnet sei Abram vom Höchsten Gott, dem Schöpfer des Himmels und der Erde, und gepriesen sei der Höchste Gott, der deine Feinde an dich ausgeliefert hat. Darauf gab ihm Abram den Zehnten von allem.

Hohe Domkirche Köln, Dombauhütte
Fesselung Achiors / Geißelung Christi

Mit der Geißelung beginnen die körperlichen Leiden Christi. Christus ist mit beiden Händen an eine Geißelsäule gefesselt und wird von zwei Knechten ausgepeitscht.

Das alttestamentliche Gegenbild zeigt den Ammoniter Achior. Er wurde auf Befehl des Königs Holofernes an einen Baum gefesselt, weil er den Gott Israels als den einzigen Gott bezeugt hat.
Dr. Ulrike Brinkmann, Kunsthistorikerin

Das Buch Judit 6, 10-13
Darauf befahl Holofernes den Dienern, die in seinem Zelt bereitstanden, Achior festzunehmen, ihn nach Betulia zu bringen und an die Israeliten auszuliefern. Seine Diener ergriffen ihn, führten ihn aus dem Lager in die Ebene hinaus und brachten ihn in das Bergland hinauf. So gelangten sie zu den Quellen unterhalb von Betulia. Als die Männer in der Stadt sie erblickten, griffen sie zu den Waffen und liefen aus der Stadt hinaus auf den Gipfel des Berges; die mit Schleudern bewaffneten Männer versperrten den Gegnern den Aufstieg, indem sie Steine hinabschleuderten. Die Feinde suchten Deckung im Schutz der Bergwand; dann fesselten sie Achior, ließen ihn am Fuß des Abhangs liegen und kehrten zu ihrem Herrn zurück.

Das Evangelium nach Markus 15, 15
Darauf ließ Pilatus, um die Menge zufriedenzustellen, Barabbas frei und gab den Befehl, Jesus zu geißeln und zu kreuzigen.

Hohe Domkirche Köln, Dombauhütte
Aufrichtung der Ehernen Schlange / Kreuzigung

Christus hängt am Kreuz, den Kopf geneigt, die Augen geschlossen. Unter dem Kreuz stehen die trauernde Gottesmutter und der Jünger Johannes

Das alttestamentliche Gegenbild zeigt die Aufrichtung der Ehernen Schlange. Gott bestraft die Untreue des Volkes Israel, indem er feurige Schlangen schickt. Mose bittet für sein Volk. Gott läßt ihn eine 'Eherne Schlange' errichten, deren Anblick die tödlichen Schlangenbisse heilt. Deshalb gilt die 'Eherne Schlange' als Zeichen des Heils und der Rettung und wurde ein typologisches Vorbild für den gekreuzigten Christus.
Dr. Ulrike Brinkmann, Kunsthistorikerin

Das Buch Numeri 21, 6-9
Da schickte der Herr Giftschlangen unter das Volk. Sie bissen die Menschen, und viele Israeliten starben. Die Leute kamen zu Mose und sagten: Wir haben gesündigt, denn wir haben uns gegen den Herrn und gegen dich aufgelehnt. Bete zum Herrn, daß er uns von den Schlangen befreit. Da betete Mose für das Volk. Der Herr antwortete Mose: Mach dir eine Schlange, und häng sie an einer Fahnenstange auf! Jeder, der gebissen wird, wird am Leben bleiben, wenn er sie ansieht. Mose machte also eine Schlange aus Kupfer und hängte sie an einer Fahnenstange auf. Wenn nun jemand von einer Schlange gebissen wurde und zu der Kupferschlange aufblickte, blieb er am Leben.

Das Evangelium nach Johannes 19, 17-30
Er trug sein Kreuz und ging hinaus zur sogenannten Schädelhöhe, die auf hebräisch Golgota heißt.
Dort kreuzigten sie ihn und mit ihm zwei andere, auf jeder Seite einen, in der Mitte Jesus.
Pilatus ließ auch ein Schild anfertigen und oben am Kreuz befestigen; die Inschrift lautete: Jesus von Nazaret, der König der Juden.
Dieses Schild lasen viele Juden, weil der Platz, wo Jesus gekreuzigt wurde, nahe bei der Stadt lag. Die Inschrift war hebräisch, lateinisch und griechisch abgefaßt.
Die Hohenpriester der Juden sagten zu Pilatus: Schreib nicht: Der König der Juden, sondern daß er gesagt hat: Ich bin der König der Juden.
Pilatus antwortete: Was ich geschrieben habe, habe ich geschrieben.
Nachdem die Soldaten Jesus ans Kreuz geschlagen hatten, nahmen sie seine Kleider und machten vier Teile daraus, für jeden Soldaten einen. Sie nahmen auch sein Untergewand, das von oben her ganz durchgewebt und ohne Naht war.
Sie sagten zueinander: Wir wollen es nicht zerteilen, sondern darum losen, wem es gehören soll. So sollte sich das Schriftwort erfüllen: Sie verteilten meine Kleider unter sich und warfen das Los um mein Gewand. Dies führten die Soldaten aus.
Bei dem Kreuz Jesu standen seine Mutter und die Schwester seiner Mutter, Maria, die Frau des Klopas, und Maria von Magdala.
Als Jesus seine Mutter sah und bei ihr den Jünger, den er liebte, sagte er zu seiner Mutter: Frau, siehe, dein Sohn!
Dann sagte er zu dem Jünger: Siehe, deine Mutter! Und von jener Stunde an nahm sie der Jünger zu sich.
Danach, als Jesus wußte, daß nun alles vollbracht war, sagte er, damit sich die Schrift erfüllte: Mich dürstet.
Ein Gefäß mit Essig stand da. Sie steckten einen Schwamm mit Essig auf einen Ysopzweig und hielten ihn an seinen Mund.
Als Jesus von dem Essig genommen hatte, sprach er: Es ist vollbracht! Und er neigte das Haupt und gab seinen Geist auf.
 

Hohe Domkirche Köln, Dombauhütte
Errettung des Jona / Auferstehung Christi

Christus steigt aus dem Grab. Als Siegeszeichen trägt er die Kreuzesfahne. Neben dem Sarkophag sitzen die schlafenden Grabwächter.

Das alttestamentliche Gegenbild zeigt den Propheten Jona, den ein großer Fisch verschlungen hatte. Nun speit der Fisch ihn an Land. Der Vergleich zwischen Jona, der drei Tage im Bauch eines Fisches zubringt und dem Messias, der nach drei Tagen im Grabe aufersteht, geht auf ein Christuswort im Neuen Testament zurück. Beide Medaillons sind Neuschöpfungen von 1892. Man orientierte sich dabei, auch in der Verknüpfung beider Szenen, an der mittelalterlichen Bildtradition.
Dr. Ulrike Brinkmann, Kunsthistorikerin

Das Buch Jona 2, 1-11
Der Herr aber schickte einen großen Fisch, der Jona verschlang. Jona war drei Tage und drei Nächte im Bauch des Fisches, und er betete im Bauch des Fisches zum Herrn, seinem Gott: In meiner Not rief ich zum Herrn, und er erhörte mich. Aus der Tiefe der Unterwelt schrie ich um Hilfe, und du hörtest mein Rufen. Du hast mich in die Tiefe geworfen, in das Herz der Meere; mich umschlossen die Fluten, all deine Wellen und Wogen schlugen über mir zusammen.Ich dachte: Ich bin aus deiner Nähe verstoßen. Wie kann ich deinen heiligen Tempel wieder erblicken? Das Wasser reichte mir bis an die Kehle, die Urflut umschloß mich; Schilfgras umschlang meinen Kopf.
Bis zu den Wurzeln der Berge, tief in die Erde kam ich hinab; ihre Riegel schlossen mich ein für immer. Doch du holtest mich lebendig aus dem Grab herauf, Herr, mein Gott. Als mir der Atem schwand, dachte ich an den Herrn, und mein Gebet drang zu dir, zu deinem heiligen Tempel. Wer nichtige Götzen verehrt, der handelt treulos. Ich aber will dir opfern und laut dein Lob verkünden. Was ich gelobt habe, will ich erfüllen. Vom Herrn kommt die Rettung. Da befahl der Herr dem Fisch, Jona ans Land zu speien.

Das Evangelium nach Matthäus 28, 1-8
Nach dem Sabbat kamen in der Morgendämmerung des ersten Tages der Woche Maria aus Magdala und die andere Maria, um nach dem Grab zu sehen.
Plötzlich entstand ein gewaltiges Erdbeben; denn ein Engel des Herrn kam vom Himmel herab, trat an das Grab, wälzte den Stein weg und setzte sich darauf.
Seine Gestalt leuchtete wie ein Blitz, und sein Gewand war weiß wie Schnee.
Die Wächter begannen vor Angst zu zittern und fielen wie tot zu Boden.
Der Engel aber sagte zu den Frauen: Fürchtet euch nicht! Ich weiß, ihr sucht Jesus, den Gekreuzigten.
Er ist nicht hier; denn er ist auferstanden, wie er gesagt hat. Kommt her und seht euch die Stelle an, wo er lag.
Dann geht schnell zu seinen Jüngern und sagt ihnen: Er ist von den Toten auferstanden. Er geht euch voraus nach Galiläa, dort werdet ihr ihn sehen. Ich habe es euch gesagt.
Sogleich verließen sie das Grab und eilten voll Furcht und großer Freude zu seinen Jüngern, um ihnen die Botschaft zu verkünden.

Hohe Domkirche Köln, Dombauhütte
Himmelfahrt des Elija / Himmelfahrt Christi

Christus schwebt auf einer Wolke zum Himmel. In der linken Hand hält er die Kreuzesfahne als Siegeszeichen über den Tod. Zu beiden Seiten kniet ein betender Engel.

Das alttestamentliche Gegenbild zeigt die Himmelfahrt des Elija. Der greise Prophet fährt mit einem pferdebespannten Wagen in den Himmel. Sein Schüler und Nachfolger Elischa bleibt auf der Erde zurück und greift nach dem Prophetenmantel, den Elija ihm zuwirft. Dieses Medaillon ist eine Neuschöpfung von 1892. Man orientierte sich dabei an entsprechenden mittelalterlichen Bildern.
Dr. Ulrike Brinkmann, Kunsthistorikerin

Das zweite Buch der Könige 2, 11-13

Während sie miteinander gingen und redeten, erschien ein feuriger Wagen mit feurigen Pferden und trennte beide voneinander. Elija fuhr im Wirbelsturm zum Himmel empor.

Elischa sah es und rief laut: Mein Vater, mein Vater! Wagen Israels und sein Lenker! Als er ihn nicht mehr sah, faßte er sein Gewand und riss es mitten entzwei.

Dann hob er den Mantel auf, der Elija entfallen war, kehrte um und trat an das Ufer des Jordan.

Evangelium: Lukas 24,46-53
In jener Zeit sagte Jesus zu seinen Jüngern: Das sind meine Worte, die ich zu euch gesprochen habe, als ich noch bei euch war: Alles muss in Erfüllung gehen, was im Gesetz des Mose, bei den Propheten und in den Psalmen über mich geschrieben steht. Darauf öffnete er ihren Sinn für das Verständnis der Schriften.

sprach Jesus zu seinen Jüngern:Sosteht es geschrieben:Der Christus wird leidenund am dritten Tag von den Toten auferstehen und in seinem Namenwird man allen Völkern Umkehrverkünden,damit ihre Sünden vergebenwerden. Angefangen in Jerusalem, seid ihrZeugendafür.
Und siehe, ich werde die Verheißung meines Vatersauf euch herabsenden.Ihraber bleibt in der Stadt,bis ihr mit der Kraft aus der Höhe erfüllt werdet!
Dann führte er sie hinaus in die Nähe von Betánien.Dort erhob er seine Hände und segnete sie.
Und es geschah:Währender sie segnete,verließer sie und wurde zum Himmelemporgehoben.
Sie aber fielenvor ihm nieder.Dann kehrten sie in großer Freude nach Jerusalem zurück. Und sie waren immer im Tempelund priesen Gott

Hohe Domkirche Köln, Dombauhütte
Übergabe der Gesetze / Ausgießung des hl. Geistes

Als sich die Jünger am ‘Tag der Pfingsten’ in Jerusalem versammeln, werden sie vom Heiligen Geist erfüllt. Dieser Moment ist im Bild dargestellt. Am Himmel bricht ein Strahlenkranz auf und ergießt sich in feurigen Flammen auf die Apostelschar und die Gottesmutter Maria.

Das alttestamentliche Gegenbild zeigt, wie Mose von Gott zwei Tafeln mit den zehn Geboten erhält. Die Gesetzesübergabe am Berg Sinai ist ein geläufiges typologisches Vorbild zur Ausgießung des Heiligen Geistes. Wie Gott im Feuer zu Mose herabfuhr, so fährt am Pfingsttag der Heilige Geist in feurigen Zungen auf die Jünger herab.
Dr. Ulrike Brinkmann, Kunsthistorikerin

Das Buch Exodus 24, 12-18
Der Herr sprach zu Mose: Komm herauf zu mir auf den Berg, und bleib hier! Ich will dir die Steintafeln übergeben, die Weisung und die Gebote, die ich aufgeschrieben habe. Du sollst das Volk darin unterweisen.
Da erhob sich Mose mit seinem Diener Josua und stieg den Gottesberg hinauf.
Zu den Ältesten sagte er: Bleibt hier, bis wir zu euch zurückkehren; Aaron und Hur sind ja bei euch. Wer ein Anliegen hat, wende sich an sie.
Dann stieg Mose auf den Berg, und die Wolke bedeckte den Berg.
Herrn auf dem Gipfel des Berges zeigte sich vor den Augen der Israeliten wie verzehrendes Feuer.
Mose ging mitten in die Wolke hinein und stieg auf den Berg hinauf. Vierzig Tage und vierzig Nächte blieb Mose auf dem Berg.

Die Apostelgeschichte 2, 1-5
Als der Pfingsttag gekommen war, befanden sich alle am gleichen Ort.
Da kam plötzlich vom Himmel her ein Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm daherfährt, und erfüllte das ganze Haus, in dem sie waren.
Und es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich verteilten; auf jeden von ihnen ließ sich eine nieder.
Alle wurden mit dem Heiligen Geist erfüllt und begannen, in fremden Sprachen zu reden, wie es der Geist ihnen eingab.

Hohe Domkirche Köln, Dombauhütte
Thronende Maria / Thronender Christus

Die heilsgeschichtliche Szenenfolge der neutestamentlichen Bahn endet mit einem Bild des thronenden Christus. Seine rechte Hand ist segnend erhoben, in der linken hält er ein Buch. An der Spitze der alttestamentlichen Bahn thront Maria in herrscherlicher Würde als gekrönte Himmelskönigin.
Dr. Ulrike Brinkmann, Kunsthistorikerin

Gideon mit dem Vlies / Verkündigung an Maria
Der brennende Dornbusch / Geburt Christi
Besuch der Königin von Saba / Anbetung der Könige
Naamans Bad im Jordan / Taufe Christi
Abraham und Melchisedek /  Abendmahl Christi
Fesselung Achiors / Geißelung Christi
Aufrichtung der Ehernen Schlange / Kreuzigung
Errettung des Jona / Auferstehung Christi
Himmelfahrt des Elija / Himmelfahrt Christi
Übergabe der Gesetze / Ausgießung des hl. Geistes
Thronende Maria / Thronender Christus